23 May 2026, 12:15

77 Jahre Grundgesetz: Warum der Föderalismus Deutschland heute bremst

Radikal ändern des Föderalismus

77 Jahre Grundgesetz: Warum der Föderalismus Deutschland heute bremst

Am 23. Mai wird das Grundgesetz 77 Jahre alt – eine Verfassung, die seit Langem Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte schützt. Doch seine föderale Struktur, einst eine Stärke, gerät zunehmend in die Kritik, weil sie Fortschritt bremst und die Regierungsführung erschwert.

Das Grundgesetz verankert den Föderalismus und verteilt die Macht zwischen der Bundesregierung und den 16 Ländern. Fast die Hälfte aller Gesetze bedürfen der Zustimmung des Bundesrates, der die Interessen der Länder vertritt – was häufig zu Verzögerungen und politischem Gezerre führt.

Das System sollte nach dem Zweiten Weltkrieg eine Machtkonzentration verhindern. Doch viele der heutigen Bundesländer waren künstliche Gebilde, von den Alliierten ohne Rücksicht auf historische oder kulturelle Zusammenhänge gezogen. Bis heute unterscheiden sie sich stark in Größe und Stärke.

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Kritiker argumentieren, der Föderalismus blockiere heute Reformen, statt sie zu ermöglichen. Deutschland hat 16 verschiedene Bauvorschriften, jede mit eigenen Regeln – ein ineffizientes Durcheinander. Auch die digitale Transformation stockt, weil die Länder eigene IT-Systeme entwickeln, die selten kompatibel sind. Bei der Digitalisierung der Verwaltung liegt Deutschland in der EU auf den hinteren Plätzen.

Eine radikale Lösung – die Abschaffung des Föderalismus – würde nach Artikel 146 eine neue Verfassung erfordern. Doch die Ewigkeitsklausel des Grundgesetzes verbietet Änderungen an der föderalen Struktur oder der Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung. Dennoch gibt es Stimmen, die eine Reform im Einklang mit einer künftigen EU-Entwicklung hin zu einem echten Bundesstaat für möglich halten.

Der Föderalismus bleibt ein prägendes Merkmal der deutschen Demokratie – doch seine Schwächen lassen sich nicht länger ignorieren. Da Reformen rechtlich blockiert sind und die öffentliche Debatte sich auf nationale Themen konzentriert, bestehen die Ineffizienzen des Systems fort. Vorerst bleiben die Länder – und mit ihnen die Herausforderungen, die sie schaffen.

Quelle