Amos Oz und der Traum vom Kibbuz: Ein literarisch-musikalischer Abend über Utopien und Scheitern
Matteo KrauseAmos Oz und der Traum vom Kibbuz: Ein literarisch-musikalischer Abend über Utopien und Scheitern
Ein literarischer Abend am 13. Mai widmet sich dem Aufstieg und Niedergang der Kibbuz-Bewegung durch die Werke von Amos Oz
Die vom Katholischen Bildungswerk und dem Verein Ganey Tikva organisierte Veranstaltung präsentiert Lesungen aus Oz’ Erzählungssammlung „Unter Freunden“. Der Musiker Arne Meinhardt und seine Tochter Anaïs begleiten den Abend mit Akkordeon- und Celloklängen.
Die ersten Kibbuzim entstanden in Israel noch vor der Staatsgründung 1948. Diese kollektiven Siedlungen sollten eine egalitäre Gesellschaft schaffen, in der Arbeit, Ressourcen und Entscheidungen geteilt wurden. David Ben-Gurion, Israels erster Ministerpräsident, rief am 14. Mai desselben Jahres den Staat aus – doch der Traum vom Kibbuz begann bereits zu verblassen. Mit der Zeit prallte das Ideal des gemeinschaftlichen Lebens auf den menschlichen Widerstand gegen ständige Konformität.
Amos Oz, der mit 15 Jahren einem Kibbuz beitrat, wurde später zu einem der bedeutendsten Schriftsteller Israels und einem engagierten Friedensaktivisten. Seine Kurzgeschichte „Esperanto“ aus „Unter Freunden“ erzählt von Martin, einem Schuhmacher, der besessen davon ist, eine universelle Sprache zu erschaffen, um Konflikte unter Menschen zu beenden. Trotz seiner Leidenschaft stirbt Martin, bevor seine Vision Wirksamkeit entfalten kann – eine stille Reflexion über die Grenzen utopischer Träume.
Bei der kommenden Veranstaltung wird der Schauspieler Heinz D. Haun Auszüge aus Oz’ Werk vortragen. Der Abend verbindet Literatur und Musik, um das Kibbuz-Experiment und sein ambivalentes Erbe zu beleuchten.
Das Programm lädt dazu ein, über die Ideale der Kibbuz-Bewegung und ihren allmählichen Niedergang nachzudenken. Durch Oz’ Texte und live dargebotene Performances wird deutlich, wie kollektive Träume – wie Martins Esperanto-Gruppe – oft auf den hartnäckigen Widerstand der Realität stoßen. Beginn ist am 13. Mai um 19:30 Uhr.






