Bayerischer Apotheker fordert Günther Jauch zum Realitätscheck in seiner Apotheke heraus
Leni RichterBayerischer Apotheker fordert Günther Jauch zum Realitätscheck in seiner Apotheke heraus
Ein Apothekeninhaber in Bayern hat den TV-Moderator Günther Jauch öffentlich kritisiert, weil dieser ausländische Online-Apotheken bewirbt. Gernot Pohl, Betreiber der Marien-Apotheke in Saal an der Donau, wirft Jauch vor, damit lokale Betriebe zu schädigen, die ohnehin bereits mit Schließungen kämpfen. Er lud Jauch sogar ein, einen Tag in seiner Apotheke zu verbringen, um die täglichen Herausforderungen aus erster Hand mitzuerleben.
Pohls Frust rührt von Jahren des finanziellen Drucks auf deutsche Apotheken her. Seit 2020 haben rund 1.961 von ihnen endgültig geschlossen – ein Rückgang um 12 Prozent von 18.562 auf 16.601 bis Ende 2025. Dieser Schwund ist Teil eines langfristigen Trends: Seit 2013, als es bundesweit noch 20.662 Apotheken gab, ist die Zahl um fast 20 Prozent gesunken.
Als Gründe für die Schließungen nennt er strenge Preisvorgaben, niedrige Erstattungssätze, übermäßige Bürokratie und einen Mangel an Fachpersonal. Gleichzeitig bleiben die lokalen Apotheken mit den schwierigsten Fällen zurück – etwa Arzneimittelknappheit oder komplexe Rezepte. Besonders entmutigend findet Pohl, dass Langzeitmedikamente zunehmend im Ausland bezogen werden, statt deutsche Betriebe zu unterstützen.
Seine Kritik an Jauch erfolgte, nachdem der TV-Prominente für ausländische Online-Apotheken geworben hatte. Pohl stellt infrage, ob Jauch die Folgen für das deutsche Apothekennetz überhaupt erkennt. Die Umsätze aus diesen Online-Verkäufen fließen an der heimischen Wirtschaft, dem Steuersystem und der lokalen Infrastruktur vorbei.
Pohls Video-Einladung an Jauch hat unter Kollegen starke Unterstützung erfahren. Viele teilen seine Sorgen um die Zukunft des Sektors und warnen, dass bis 2025 weitere 500 Apotheken schließen könnten, falls sich die Rahmenbedingungen nicht verbessern.
Der Streit verdeutlicht die wachsende Belastung für Deutschlands lokale Apotheken. Angesichts steigender finanzieller und regulatorischer Hürden argumentieren Betreiber wie Pohl, dass ausländische Konkurrenz – noch dazu mit Rückendeckung durch Prominente – die Schließungswelle nur beschleunigt. Langfristig könnte dies den Zugang zu essenziellen Apothekenleistungen im ganzen Land weiter verschlechtern.






