Berlin führt umstrittene Ausbildungsabgabe ein – Startups protestieren gegen neue Belastung
Nina BrandtBerlin führt umstrittene Ausbildungsabgabe ein – Startups protestieren gegen neue Belastung
Das Abgeordnetenhaus von Berlin hat eine umstrittene Ausbildungsabgabe beschlossen, die Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten bestraft, wenn sie vorgegebene Ausbildungsquoten nicht erfüllen. Ab 2028 müssen Firmen, die unter dem bundesweiten Durchschnitt von 4,6 Prozent liegen, mit finanziellen Konsequenzen rechnen – was bei lokalen Gründern und Startups auf scharfe Kritik stößt.
Die neue Regelung sieht vor, dass Betriebe in einen Fonds einzahlen müssen, wenn sie nicht genug Ausbildungsplätze anbieten. Die Abgabe soll jährlich rund 75 Millionen Euro einbringen. Kritiker monieren, die Maßnahme treffe Unternehmen ungerechtfertigt – insbesondere Startups, die oft Schwierigkeiten haben, klassische Ausbildungsstellen bereitzustellen.
Aktuell liegt Berlins Ausbildungsquote bei 3,1 Prozent und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 4,6 Prozent. Kleine Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden – das sind 75 Prozent aller Berliner Betriebe – bleiben jedoch von der Abgabe ausgenommen.
Mehrere Gründer haben sich öffentlich gegen den Beschluss ausgesprochen. Ralph Hage von Lap Coffee nannte ihn "noch ein weiteres falsches Signal" aus Berlin und erklärte, sein Unternehmen setze auf Automatisierung und modernes Lernen statt auf traditionelle Ausbildung. Moritz Kreppel von Urban Sports Club kritisierte die Regelung als praxisfern: Startups wie seines müssten nun für Ausbildungsplätze zahlen, die nicht zu ihrem Geschäftsmodell passten.
Agnieszka Walorska von der Fintech-Firma Mika verwies auf ein grundlegendes Problem: Nicht die mangelnde Bereitschaft der Unternehmen, sondern das sinkende Interesse junger Menschen an Ausbildungsberufen sei die eigentliche Herausforderung. Marius Meiners von Peec AI pflichtete dem bei und bezeichnete die Abgabe als weitere Hürde, die Deutschland als Wirtschaftsstandort unattraktiver mache.
Die Abgabe tritt 2028 in Kraft und zwingt betroffene Unternehmen, entweder ihr Ausbildungsangebot auszubauen oder finanziell beizutragen. Da Berlins Quote bereits unter dem bundesweiten Richtwert liegt, wird die Regelung viele Betriebe treffen – vor allem im Startup-Bereich. Die Reaktionen der Gründer deuten auf anhaltenden Widerstand gegen die Maßnahme hin.






