"Blutbuch" erstrahlt als mutige Bühnenadaption in Berlin und berührt tief
Matteo Krause"Blutbuch" erstrahlt als mutige Bühnenadaption in Berlin und berührt tief
Kim de l'Horizons gefeierter Debütroman erobern nun als mutige Bühnenadaption die Theaterwelt
Die ausverkaufte Premiere im Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg markiert eine beeindruckende Verwandlung des preisgekrönten Buchs. Über dem weißen Fransenvorhang leuchtet der Titel Blutbuch in roter gotischer Schrift – ein vielsagender Auftakt für einen Abend voller ungeschönter Erzählkraft.
Die Inszenierung taucht tief ein in die Themen Identität, Trauma und Selbstakzeptanz. Kim, die Erzählerin, wird von drei Schauspieler:innen verkörpert – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger –, die gemeinsam eine genderfluide Existenz jenseits binärer Kategorien zum Leben erwecken.
Kims Reise beginnt unter einer Blutbuche, dem einzigen Ort, an dem sie sich wirklich sicher fühlt. Der von ihrem Urgroßvater gepflanzte Baum wird zum Ausgangspunkt für die Aufdeckung verdrängter Familientraumata. Die Geschichte entfaltet sich, während Kim die Vergangenheit des Baumes erkundet und sich mit dem Erbe vergangener Generationen auseinandersetzt.
Auf der Bühne ist das Bühnenbild unheimlich und symbolträchtig. Zerschlissene beige Strumpfhosen hängen von der Decke, gefüllt mit Sand und beschwerten Kugeln, die wie ungelöste Erinnerungen hin- und herschwingen. Die drei Protagonist:innen brechen ein langes Schweigen, indem sie symbolisch das "Große Meer" zur Ruhe betten – eine Metapher für die Befreiung von vererbtem Schmerz.
Kims Kampf ist zutiefst persönlich und doch universell. Ihr Körper entzieht sich jeder Festlegung und weigert sich, in traditionelle Geschlechterrollen gepresst zu werden. Sowohl der Roman als auch nun das Theaterstück fordern das Publikum auf, sich von Scham hin zur Selbstannahme zu bewegen – ein Thema, das noch lange nach dem Fall des Vorhangs nachwirkt.
Blutbuch sorgte 2022 für Furore und gewann sowohl den Deutschen Buchpreis als auch den Schweizer Buchpreis. Jetzt bringt die Bühnenadaption Kims Stimme auf eine Weise zum Klingen, die ebenso eindringlich wie poetisch ist.
Die Premiere im Vaganten Bühne bestätigt die Fähigkeit des Romans, das Publikum auch in dieser neuen Form zu fesseln. Durch die Besetzung der Rolle Kims mit drei Schauspieler:innen unterstreicht die Inszenierung die Fluidität von Identität als zentrales Motiv. Die ausverkauften Vorstellungen zeigen: Kims Geschichte von Trauma, Heilung und Widerstand berührt weiterhin viele Menschen zutiefst.






