CDU in Baden-Württemberg hält an Hagel fest – trotz historischer Wahlniederlage
Nina BrandtCDU in Baden-Württemberg hält an Hagel fest – trotz historischer Wahlniederlage
Baden-Württembergs CDU weigert sich, Manuel Hagels Rücktritt nach historischer Wahlschlappe anzunehmen
Die CDU in Baden-Württemberg hat sich geweigert, den Rücktritt von Manuel Hagel nach der historischen Wahlniederlage anzunehmen. Stattdessen stimmte die Partei einstimmig dafür, ihn vorläufig im Amt zu belassen, während sie gleichzeitig auf eine stärkere Rolle in der nächsten Regierung drängt. Obwohl die Christdemokraten fast 30.000 Stimmen mehr als die Grünen erhielten, endeten beide Parteien mit der gleichen Anzahl an Sitzen – eine Konstellation, die den Weg für zähe Koalitionsverhandlungen ebnet.
Das Wahlergebnis ließ CDU und Grüne mit gleicher Sitzzahl zurück, auch wenn die Union knapp die meisten Stimmen holte. Hagel gab am Wahlabend die Niederlage zu, und seine Partei schlug ein rotierendes Ministerpräsidentenamt mit Cem Özdemir von den Grünen vor. Dieser lehnte den Vorschlag umgehend als "Unsinn" ab und forderte stattdessen "erwachsene Politik".
Hinter den Kulissen arbeitet die CDU daran, nicht erneut in die Rolle des Juniorpartners gedrängt zu werden – eine Position, die sie seit 2016 innehat. Parteifunktionäre, darunter Generalsekretär Stefan Vogt und Agrarminister Peter Hauk, verteidigten Hagel, während sie gleichzeitig die Politik der Grünen kritisierten. Ein CDU-Vorstandsmitglied deutete sogar ein verfassungsrechtliches Schlupfloch an: Sollte innerhalb von drei Monaten kein Ministerpräsident vereidigt werden, könnten Neuwahlen ausgelöst werden.
Die Partei nutzt zudem aktuelle Kontroversen, wie Hagels "Rehaugen"-Video, um im Verhandlungsprozess Druck auf die Grünen auszuüben. Aus Sorge, übervorteilt zu werden, setzt die CDU ihre knappe Stimmenmehrheit ein, um mehr Ressorts im künftigen Kabinett zu fordern.
Die Weigerung der CDU, Hagel gehen zu lassen, unterstreicht ihre harte Verhandlungslinie. Ziel ist es, Schlüsselpositionen zu sichern und eine Wiederholung der bisherigen Rolle als kleiner Koalitionspartner zu vermeiden. Die anstehenden Gespräche werden nun zeigen, ob die Grünen oder die CDU in der Regierungsbildung in Baden-Württemberg die Oberhand behalten.