Erlangen verbietet "sexistische" Partyschlager auf dem Bergkirchweih – doch Wirte und Künstler protestieren
Theo SchmidtErlangen verbietet "sexistische" Partyschlager auf dem Bergkirchweih – doch Wirte und Künstler protestieren
Die Stadtverwaltung von Erlangen hat bekannte Partyschlager auf eine Liste „sexistischer“ Lieder gesetzt, die Wirte beim diesjährigen Bergkirchweih-Volksfest vermeiden sollen. Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die in der Vergangenheit unerwünschte körperliche Berührungen und anstößige Songtexte erlebt hatte. Fast eine Million Besucher werden zum Fest erwartet, das die Stadt nun „besonders frei von Diskriminierung“ gestalten möchte.
Auslöser war eine Beschwerde aus dem Jahr 2021, in der eine Festbesucherin angab, von aggressiven Männern „begrapscht“ worden zu sein und sich durch die Musik unwohl gefühlt zu haben. Daraufhin prüften die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, eine Liste „problematischer Partysongs“. Titel wie Skandal im Sperrbezirk sowie Lieder von Mickie Krause und Peter Wackel wurden wegen frauenfeindlicher oder herabwürdigender Texte markiert.
Der Stadtrat – unterstützt von CSU, Linken und SPD – hatte bereits 2021 Songs mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ verurteilt. Nun fordern Beamte die Wirte auf, diese Stücke aus ihren Playlists zu streichen. Viele Gastwirte reagieren jedoch skeptisch und fragen sich, ob das Verbot das Verhalten ändert oder lediglich die lebendige Festivalatmosphäre dämpft.
Peter Wackel, dessen Hit Joana die Zeile Du geile Sau enthält, kritisierte die Einschränkungen. Er behauptet, immer mehr Künstler hätten wegen zunehmender Zensur keine Lust mehr, in Deutschland aufzutreten. Jürgen Thurnau, Sänger der Spider Murphy Gang, ging noch weiter und verglich die Situation mit den Kulturkontrollen der ehemaligen DDR.
Mit der schwarzen Liste will die Stadt ein inklusiveres Umfeld auf dem Bergkirchweih schaffen, einem der größten Volksfeste Deutschlands. Die Wirte stehen nun vor der Wahl, sich an die Richtlinien zu halten oder mit Gegenreaktionen zu rechnen. Künstler und einige Besucher hingegen halten die Maßnahmen für übertrieben – und befürchten, dass sie den traditionellen Charakter der Veranstaltung verändern könnten.






