07 May 2026, 12:22

Halberstadts vergessene jüdische Geschichte: Wie die DDR die Erinnerung verweigerte

Plakat mit schwarzem Hintergrund, das den Text "Aufbau des jüdischen Heimatlandes - jetzt - Palestine Restoration Fund" zeigt, begleitet von Bildern von Gebäuden, Hügeln und einem Sternsymbol.

Halberstadts vergessene jüdische Geschichte: Wie die DDR die Erinnerung verweigerte

Ein neues Buch von Philipp Graf untersucht die vergessene jüdische Geschichte Halberstadts in der DDR-Zeit.„Verweigerte Erinnerung“ zeigt, wie die einst blühende neo-orthodoxe Gemeinde der Stadt unter der NS-Herrschaft ausgelöscht und später von den DDR-Behörden ignoriert wurde. Die Forschung legt zudem die problematische Hinterlassenschaft antifaschistischer Mahnmale bloß, die über Massengräbern errichtet wurden.

Die jüdische Gemeinde Halberstadts, einst ein Zentrum des Neo-Orthodoxie, wurde zwischen 1938 und 1942 systematisch vernichtet. In der Pogromnacht vom November 1938 wurde die Synagoge der Stadt niedergebrannt – der Beginn ihrer Zerstörung, wie der Historiker Martin Gabriel darlegt. Bis 1961 blieb Willy Calm der letzte überlebende Jude in Halberstadt und diente als einziger offizieller Ansprechpartner für die verschwundene Gemeinde.

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1949 entstand am Standort des ehemaligen Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge, wo Tausende durch Zwangsarbeit ums Leben gekommen waren, eine Gedenkstätte. Doch bereits 1969 wurde der Ort zu einer Kulisse für politische Gelöbnisse umgestaltet, während seine Tunnel als Militärdepot für die Nationalen Volksarmee der DDR zweckentfremdet wurden. Unter den neuen Bauten lagen die Gräber der Häftlinge begraben.

Jüdische Stimmen in der DDR wurden indes unterdrückt. Die niederländische Widerstandskämpferin Lin Jaldati, die 1952 in Ost-Berlin sesshaft wurde, nahm zwar drei Schallplatten auf, verschwand jedoch nach dem Sechstagekrieg 1967 aus den Sendungen. Selbst literarische Werke von Holocaust-Überlebenden wie Peter Edel und Jurek Becker, die 1969 veröffentlicht wurden, stießen auf offizielle Gleichgültigkeit.

Jahrzehnte später löste der Verkauf der Halberstädter Rathauspassagen 2018 Gerüchte über einen „Verkauf an die Juden“ aus – ein Anstoß für Grafs Untersuchung der unbewältigten Vergangenheit der Stadt.

Grafs Buch dokumentiert, wie die jüdische Geschichte Halberstadts zunächst von den Nationalsozialisten vernichtet und später von der antifaschistischen Führung der DDR ignoriert wurde. Die auf Massengräbern errichteten Mahnmale und das Schweigen über die Überlebenden offenbaren ein Erbe der Verdrängung. Heute fordert die Forschung die Stadt heraus, sich ihrer vergessenen Vergangenheit zu stellen.

Quelle