ifo-Chef Fuest warnt vor Deindustrialisierung und fordert radikale Wirtschaftsreformen
Leni Richterifo-Chef Fuest warnt vor Deindustrialisierung und fordert radikale Wirtschaftsreformen
Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, hat dringende Wirtschaftsreformen in Deutschland gefordert. Er warnt, dass das Land ohne Gegenmaßnahmen Schwierigkeiten haben werde, sich von der aktuellen Rezession zu erholen. Seine Äußerungen erfolgen vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über stagnierendes Wachstum und steigende finanzielle Belastungen.
Fuest kritisierte die Wachstumsstrategie von Bundeskanzler Friedrich Merz scharf und erklärte, sie habe nach einem Jahr im Amt keine Ergebnisse vorzuweisen. Einen jüngsten Anstieg des ifo Geschäftsklimaindex bezeichnete er als trügerisch – dieser spiegle die tieferliegenden wirtschaftlichen Probleme nicht wider.
Zur industriellen Zukunft Deutschlands verwies Fuest auf die mögliche Verlagerung der Produktion bei Volkswagen: Der Konzern könnte in deutschen Werken künftig Elektroautos bauen, die in China entwickelt wurden. Seine nüchterne Reaktion – „Vielleicht sollten wir schon froh sein, wenn überhaupt noch Produktion in Deutschland stattfindet“ – unterstrich die Ängste vor einer fortschreitenden Deindustrialisierung.
Mit einem drastischen Vergleich zu Italien warnte er, Deutschland könnte sich von dem aktuellen Schock möglicherweise nie vollständig erholen. Die Wirtschaftsleistung des Landes stagniert seit sieben Jahren auf dem Niveau von 2019. Fuest griff damit auch Warnungen des Centre for European Reform auf und bezeichnete Deutschland als „Epizentrum des zweiten China-Schocks“.
Bei den Staatsfinanzen sprach er von einem „Crashkurs“: Unhaltbare Ausgaben gefährdeten die langfristige Stabilität. Dieser Sommer könnte die letzte Chance für die Regierung sein, weitreichende Reformen durchzusetzen, betonte Fuest.
Seine Warnungen zeichnen ein düsteres Bild der deutschen Wirtschaftsperspektiven. Ohne Reformen drohen Stagnation und finanzielle Belastungen noch jahrelang anzudauern. Die Regierung steht unter zunehmendem Druck, zu handeln, bevor sich das Zeitfenster für Veränderungen schließt.






