21 April 2026, 08:15

Kirchheim setzt auf Gemeinwohl statt Höchstgebot beim neuen Steingau-Quartier

Farbcodierte Karte eines geplanten Wohnbaugebiets auf Papier mit beschrifteten Abschnitten und Textdetails zu Gebäuden, Straßen und anderen Merkmalen.

Kirchheim setzt auf Gemeinwohl statt Höchstgebot beim neuen Steingau-Quartier

Ein neues Wohnprojekt in der Kirchheimer Altstadt setzt auf ungewöhnliche Bauherren-Auswahl

In Kirchheim unter Teck wird ein neues Wohnviertel in der Altstadt nach einem ungewöhnlichen Prinzip realisiert: Statt den Höchstbietenden zu bevorzugen, vergab die Stadt den Zuschlag nach der Qualität des vorgestellten Konzepts. Die Entscheidung spiegelt einen wachsenden Trend zu gemeinwohlorientierter Stadtplanung in der Region wider.

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Das Steingau-Quartier, wie das Projekt heißen wird, soll rund 850 Bewohner in 45 Gebäuden beherbergen – darunter genossenschaftliche Wohnformen und Einfamilienhäuser. Das Interesse ist enorm: Die Nachfrage nach den Grundstücken übersteigt das Angebot bei Weitem.

Die Stadtverwaltung setzte auf ein konzeptbasiertes Auswahlverfahren und legte die Bodenpreise auf Basis unabhängiger Gutachten fest. Dadurch konnten sich auch kleinere Entwickler beteiligen, statt nur finanzstarke Investoren. Den Zuschlag erhielt schließlich das überzeugendste städtebauliche Konzept – nicht das höchste Gebot.

Vor dem endgültigen Verkauf führten die Verantwortlichen regelmäßige Fortschrittskontrollen mit den Bauherren durch, um sicherzustellen, dass die Pläne den städtischen Zielen für nachhaltiges und inklusives Wohnen entsprachen. Ein zentrales Element des Projekts ist eine gemeinsame Tiefgarage, die individuelle Stellplätze überflüssig macht – das reduziert den Verkehr und schafft mehr Grünflächen.

Im Steingau-Quartier entstehen 17 genossenschaftliche Wohnprojekte und sechs Einfamilienhäuser. Um die Gemeinschaftsflächen zu verwalten und das Zusammenleben zu stärken, haben sich die zukünftigen Bewohner bereits in einem unabhängigen Nachbarschaftsnetzwerk organisiert. Dieses wird später Aktivitäten koordinieren und die gemeinsamen Bereiche pflegen.

Bürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker bestätigte, dass dieser Ansatz auch bei künftigen Projekten beibehalten wird. Allerdings betonte sie, dass konzeptbasierte Vergabeverfahren klare Kommunikation, realistische Zeitpläne und ausreichende administrative Unterstützung erfordern, um erfolgreich zu sein.

Bald werden im Steingau-Quartier 850 Menschen ein Zuhause finden – gebaut nach einem Modell, das Gemeinwohl über Profit stellt. Die Entscheidung der Stadt, Bodenpreise festzusetzen und Bauherren nach ihren Konzepten auszuwählen, stößt auf großes Interesse: Die Nachfrage nach den Grundstücken liegt fast dreimal höher als das Angebot.

Kirchheim unter Teck plant, diese Methode auch auf andere Vorhaben zu übertragen. Im Fokus steht weiterhin die Schaffung gut integrierter, nachhaltiger Quartiere – nicht die Maximierung der Einnahmen aus Grundstücksverkäufen.

Quelle