Luftfahrtbranche in der Krise: Steuern sinken, Kerosinpreise explodieren und Lufthansa streicht Flüge
Theo SchmidtLuftfahrtbranche in der Krise: Steuern sinken, Kerosinpreise explodieren und Lufthansa streicht Flüge
Deutschlands Luftfahrtbranche steht vor tiefgreifenden Umbrüchen, da die Treibstoffkosten explodieren und die Passagierzahlen weiterhin unter dem Niveau vor der Pandemie liegen. Die Bundesregierung hat vorgeschlagen, die Luftverkehrsteuer um 16,1 Prozent zu senken, während die Lufthansa Tausende Flüge streichen will, um Kerosin zu sparen. Gleichzeitig sorgen politische Debatten über die Besteuerung der Luftfahrt für weitere Unsicherheit – bei Airlines wie bei Reisenden gleichermaßen.
Im Mai 2024 hatte Deutschland die Luftverkehrsteuer (LuftVSt) um 19,4 Prozent erhöht. Dieser Anstieg folgte auf Jahre steigender Betriebskosten, wobei sich die Kerosinpreise seit Dezember 2022 mehr als verdoppelt haben. Mittlerweile geben Airlines 20 bis 30 Prozent ihres Budgets allein für Treibstoff aus. Die Lufthansa reagierte darauf mit der Streichung von 20.000 Kurzstreckenflügen bis Oktober – eine Maßnahme, die voraussichtlich 40.000 Tonnen Kerosin einspart. Zudem rechnet der Konzern in diesem Jahr mit zusätzlichen Treibstoffkosten in Höhe von 1,7 Milliarden Euro.
Die jüngste Gesetzesreform hat die Verwirrung noch verstärkt, indem sie ältere Steuersätze aus der Zeit vor der Reform 2024 wieder einführte. Kritiker verweisen auf widersprüchliche Begründungen für diese Änderungen. Unterdessen fordert die AfD eine vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer bis zum 1. Dezember 2024 und argumentiert, die Abgabe belaste sowohl Fluggesellschaften als auch Passagiere unnötig.
Vor diesem Hintergrund fertigten Deutschlands Flughäfen im Jahr 2025 insgesamt 219,8 Millionen Passagiere ab – immer noch 12,4 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019. Der Rückgang spiegelt die anhaltenden Herausforderungen der Branche wider, darunter den Zusammenbruch von Spirit Airlines im Mai 2023 nach 62 Jahren Betrieb. Friedrich Merz, selbst lizenzierter Privatpilot und einflussreicher Politiker, wird auf der Berliner Luftfahrtschau (ILA) im Juni die Nationale Luftfahrtstrategie vorstellen – zu einem Zeitpunkt, in dem die Forderungen nach mehr Planungsicherheit in der Branche lauter werden.
Der von der Regierung vorgeschlagene Rückgang der Luftverkehrsteuer um 16,1 Prozent kommt zu einer Zeit, in der Airlines mit Rekordtreibstoffkosten und sinkenden Passagierzahlen kämpfen. Die Flugstreichungen der Lufthansa und der Vorstoß der AfD für eine komplette Steuerabschaffung zeigen den Druck auf die Politik, zwischen Haushaltsinteressen und dem Überleben der Branche abzuwägen. Die anstehende Nationale Luftfahrtstrategie könnte weitere Klarheit darüber bringen, wie Deutschland langfristig mit Luftverkehrssteuern und Nachhaltigkeit umgeht.






