08 April 2026, 04:14

Mainz in den 1970ern: Kältewelle, Kunst und der Kampf um die Altstadt

Ausführliche alte Karte von Stadt Mainz, Deutschland, zeigt Straßen, Gebäude und Sehenswürdigkeiten auf altem Papier mit Text.

Mainz in den 1970ern: Kältewelle, Kunst und der Kampf um die Altstadt

Mainz erlebte in den frühen und mittleren 1970er-Jahren tiefgreifende Veränderungen – von kulturellen Neuerungen bis hin zu Haushaltsbelastungen. Während im Januar 1975 eine tödliche Kältewelle Europa heimsuchte, trieb die Stadt ihre städtischen Projekte voran und kämpfte mit finanziellen Engpässen. Zu den jüngsten Entwicklungen zählen eine markante neue Skulptur und die anhaltenden Bemühungen zur Belebung der Altstadt.

Ende Januar 1975 fegte eine extreme Kältewelle über Europa hinweg. In vielen Regionen sanken die Temperaturen auf unter -10°C, in einigen Gebieten sogar um mehr als 40°C im Vergleich zum Vormonat. Die Kälte forderte mindestens 20 Menschenleben.

Im selben Monat wurde am Eingang des Bildungsministeriums in der Mittleren Bleiche der Glockenbaum enthüllt – ein sieben Meter hohes und drei Tonnen schweres Bronzebrunnenkunstwerk, dessen Schaffung 160.000 D-Mark kostete. Die Skulptur zeigt 14 Nachbildungen berühmter Glocken aus aller Welt, von denen jede 68 kleinere Glocken enthält.

Unterdessen schritt die seit 1972 laufende Altstadtsanierung voran. Bis 1976 waren 145 neue Sozialwohnungen fertiggestellt, die vollständige Fertigstellung des Projekts war für 1983 oder 1984 geplant.

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Auch Kriminalfälle prägten diese Zeit: Im April 1969 war ein 47-jähriger jugoslawischer Tagelöhner in einem Tunnel der Mainzer Zitadelle zu Tode geprügelt worden. Der Täter wurde erst im Februar 1975 gefasst und im März 1976 zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt.

Die finanziellen Herausforderungen wuchsen ebenfalls. Der Stadtrat verabschiedete den Zweijahreshaushalt für 1976–77 in Höhe von 916 Millionen D-Mark, wobei mehr als ein Fünftel für Sozialleistungen vorgesehen war. Trotz strenger Numerus-clausus-Regelungen verzeichnete die Universität Mainz im Wintersemester 1975/76 über 19.000 Studierende. Doch sowohl die Hochschule als auch ihr Universitätsklinikum litten unter Haushaltskürzungen, Personalmangel und steigenden Patientenzahlen.

Am 17. März 1976 gab der Stadtrat grünes Licht für den Bebauungsplan des Dienstleistungszentrums Bretzenheim-Süd. Das Einkaufszentrum soll sich über mehr als 11 Hektar erstrecken und markiert einen weiteren Schritt in der städtischen Expansion Mainzer Prägung.

Der Glockenbaum ist heute eine markante Sehenswürdigkeit der Stadt, während die Umgestaltung der Altstadt weiter voranschreitet. Der Haushalt spiegelt die wachsenden Anforderungen an soziale Dienstleistungen wider, und neue Projekte wie das Dienstleistungszentrum Bretzenheim-Süd sollen zukünftige Bedürfnisse decken. Trotz aller Herausforderungen bleibt Mainz auf Wachstum und Erneuerung ausgerichtet.

Quelle