Nitrendipin-Mangel in Deutschland hält an – wann gibt es Besserung für Patienten?
Leni RichterNitrendipin-Mangel in Deutschland hält an – wann gibt es Besserung für Patienten?
Deutschland kämpft mit anhaltendem Nitrendipin-Mangel
Deutschland sieht sich mit einem lang anhaltenden Engpass bei Nitrendipin konfrontiert, einem weit verbreiteten Kalziumkanalblocker. Das Medikament ist seit dem vergangenen Sommer nur noch eingeschränkt verfügbar, was Patienten und Apotheken vor die Herausforderung stellt, Alternativen zu finden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat den Wirkstoff mittlerweile offiziell in die Liste der gemeldeten Arzneimittelknappheiten aufgenommen.
Nitrendipin gehört zur Gruppe der Kalziumkanalblocker, die verhindern, dass Kalzium in die Zellen eindringt. Dadurch bleiben die Arterien entspannt, die Erregungsleitung des Herzens verlangsamt sich, und der Blutdruck wird gesenkt. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen jedoch zu niedriger Blutdruck, Kopfschmerzen, Hitzewallungen und unregelmäßiger Herzschlag.
Betroffen sind sowohl die 10-Milligramm- als auch die 20-Milligramm-Dosierungen, ohne dass aktuell ein Hersteller die Nachfrage decken könnte. Zwei große Produzenten, Ratiopharm und Hexal, melden verlängerte Produktionsverzögerungen. Der Hersteller Aristo rechnet damit, dass der Mangel an der 20-Milligramm-Variante bis Jahresende anhalten wird.
Doch es gibt Hoffnung auf Entspannung: Ratiopharm und Aliud Pharma planen, die Lieferungen der 20-Milligramm-Tabletten bis Ende März wieder aufzunehmen, während AbZ mit einer Wiederverfügbarkeit ab Ende Mai rechnet. Bis dahin greifen Apotheker auf Ersatzpräparate wie Amlodipin und Lercanidipin zurück – beide erfordern jedoch unterschiedliche Einnahmehinweise: Amlodipin kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden, Lercanidipin hingegen muss vor dem Essen geschluckt werden.
Kalziumkanalblocker lassen sich in drei Hauptgruppen unterteilen: den Nifedipin-Typ, den Verapamil-Typ und den Diltiazem-Typ, die jeweils unterschiedliche medizinische Anwendungen abdecken. Die aktuellen Engpässe verdeutlichen jedoch größere Versorgungsprobleme, die selbst ältere, etablierte Medikamente betreffen.
Der Nitrendipin-Mangel zwingt Patienten und Behandler dazu, sich mit Ersatzpräparaten zu behelfen, wo dies möglich ist. Während einige Hersteller in den kommenden Monaten eine Normalisierung der Lieferungen anstreben, müssen andere mit Verzögerungen bis Ende 2024 rechnen. Die Situation spiegelt die übergeordneten Herausforderungen wider, eine stabile Produktion lebenswichtiger Arzneimittel zu gewährleisten.






