Philologenverband wirft Baden-Württemberg "Budgettrick" bei Lehrerbeförderungen vor
Leni RichterPhilologenverband wirft Baden-Württemberg "Budgettrick" bei Lehrerbeförderungen vor
Der Philologenverband Baden-Württemberg hat die jüngste Personalpolitik des Landes für Schulen scharf kritisiert. Nach Angaben der Vereinigung werden Beförderungsmöglichkeiten von Gymnasien zugunsten von Gemeinschaftsschulen umgelenkt. Die Maßnahme wird als "Budgettrick" bezeichnet, der die bestehende Unterfinanzierung weiter verschärfe.
Im Mittelpunkt des Streits stehen A14-Stellen, die mit höherem Gehalt und zusätzlichen Verantwortlichkeiten verbunden sind. Lehrkräfte an Gymnasien hätten dem Verband zufolge bereits seit Langem mit Verzögerungen bei solchen Beförderungen zu kämpfen – durch die neue Regelung werde sich ihre Wartezeit nun noch weiter verlängern.
Für 2025 plant Baden-Württemberg, rund 1.200 A14-Beförderungsstellen auf verschiedene Schulformen zu verteilen. Doch die Aufteilung hat sich im Vergleich zu früheren Jahren deutlich verschoben: Gemeinschaftsschulen erhalten etwa 720 dieser Positionen – rund 60 Prozent des Gesamtvolumens –, während Gymnasien nur 300 Stellen (25 Prozent) zugewiesen bekommen. Noch vor wenigen Jahren entfiel mehr als die Hälfte aller Beförderungen auf Gymnasien.
Der Verband wirft dem Ministerium vor, ursprünglich für Gymnasien vorgesehene A14-Stellen umzuwidmen, um den Bedarf an Gemeinschaftsschulen zu decken. In einigen Landkreisen sei dadurch das gesamte Jahreskontingent für Beförderungen an Gymnasien nahezu aufgebraucht. Berufliche Schulen verfügen unterdessen über 203 offene A14-Stellen, Gymnasien hingegen nur über 81.
Die Beförderung in die Besoldungsgruppe A14 richtet sich nach den 2001 festgelegten Verwaltungsvorschriften, die Aufstiege an Zusatzaufgaben wie Koordination oder Entwicklungsarbeit knüpfen. Der Verband argumentiert, die Landesregierung setze auf eine gleichmäßige Verteilung der Beförderungschancen über alle Schulformen hinweg – ohne jedoch ausreichend Mittel oder Planung bereitzustellen. Statt neue Ressourcen zu schaffen, werde lediglich umverteilt, was Gymnasien benachteilige.
Das Kultusministerium hatte die neue Beförderungsrunde im Mai angekündigt und als "Ausweitung der Chancen für Lehrkräfte an weiterführenden Schulen" präsentiert. Kritiker halten dagegen, die Änderungen vertieften strukturelle Ungleichheiten – mit Gymnasien als Hauptleidtragende der Umverteilung.
Die Kritik des Verbands unterstreicht die wachsenden Spannungen bei der Verteilung von Beförderungsstellen in Baden-Württemberg. Während Lehrkräfte an Gymnasien noch längere Wartezeiten für ihre Karriereentwicklung in Kauf nehmen müssen, erhalten Gemeinschaftsschulen einen größeren Anteil der A14-Positionen. Die Debatte dreht sich nun darum, ob die Angleichung der Chancen auf Kosten der Ressourcen einer Schulform gehen darf.