Stuttgarter Gericht entzieht Iraner die Staatsbürgerschaft wegen Extremismus-Vorwürfen
Theo SchmidtStuttgarter Gericht entzieht Iraner die Staatsbürgerschaft wegen Extremismus-Vorwürfen
Ein Stuttgarter Gericht hat die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft für Danial Bamdadi, einen iranischen Staatsbürger mit einer Vergangenheit in der linksradikalen Szene, bestätigt. Die Entscheidung fällt nach einem langjährigen Rechtsstreit über seine früheren Handlungen, darunter ein Angriff auf einen rechtsextremen Politiker sowie die Teilnahme an extremistischen Kundgebungen. Unterstützer sehen in dem Urteil einen Ausdruck des politischen Wandels in Deutschland, wo die Zahl der abgelehnten Einbürgerungsanträge in den letzten Jahren stark angestiegen ist.
2017 griff Bamdadi einen lokalen AfD-Stadtrat an – ein Vorfall, der später in seinem Einbürgerungsverfahren eine Rolle spielte. Vier Jahre später nahm er an einer Solidaritätskundgebung für verurteilte linke Extremisten teil, was seinen Fall weiter erschwerte. Trotz seines Engagements für den Verein zur Bewahrung der Demokratie und einer Petition mit über 17.000 Unterschriften – darunter auch die der ehemaligen SPD-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin – urteilte das Gericht, er habe sich nicht ausreichend von gewaltbereiten extremistischen Gruppen distanziert.
Das Verwaltungsgericht Stuttgart stützte sich in seiner Begründung auf Erkenntnisse des Bundesamts für Verfassungsschutz. Kritiker, darunter die Gewerkschaft IG Metall, warfen dem Gericht vor, nach dem Prinzip der "Kollektivschuld" zu urteilen und grundgesetzliche Rechte auszuhebeln. Auch die Gewerkschaft Verdi und die marxistisch-leninistische Zeitung Rote Fahne solidarisierten sich mit Bamdadi und deuteten den Fall als Teil einer breiteren Repression gegen linke Aktivisten.
Bamdadi kündigte an, in Berufung zu gehen, und argumentiert, das Urteil bestrafe demokratisches Engagement und spiegle die politische Rechtsentwicklung in Deutschland wider. Sein Fall fällt in eine Zeit, in der die Ablehnungsquote bei Einbürgerungen steigt: Allein 2025 wurden 10.616 Anträge abgelehnt.
Die Entscheidung lässt Bamdadis Zukunft in Deutschland ungewiss, auch wenn sein juristischer Kampf weitergeht. Seine Unterstützer warnen, das Urteil schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall für politische Aktivisten. Gleichzeitig wirft der Fall grundsätzliche Fragen zu Extremismus, Meinungsfreiheit und den Kriterien für Einbürgerungen in Deutschland auf.
Gericht beschränkt Berufungsmöglichkeiten und korrigiert Fehler des Verfassungsschutzes
Das Urteil hat die rechtlichen Möglichkeiten von Bamdadi eingeschränkt und dabei wichtige faktische Fehler korrigiert. Wichtige Entwicklungen sind:
- Das Gericht hat das sofortige Berufungsrecht verweigert und nur eine geringe Erfolgschance-Anwendung an den Verwaltungsgerichtshof innerhalb von einer Monat zugelassen.
- Eine 2023 Mai-Demo Teilnahmeanspruch durch den Verfassungsschutz wurde als falsch identifiziert.
- Der Name des 2017 AfD-Opfers wurde im Gerichtsdokument auf Eberhard Brett korrigiert.