29 March 2026, 02:18

Telematikinfrastruktur: Frist für Therapeuten wird bis 2027 verlängert – doch die Probleme bleiben

Schwarze und weiße architektonische Zeichnung des Rosenhof-Krankenhauses in Hamburg, Deutschland, die detaillierte Layout mit zahlreichen Drähten zeigt, die elektrische oder strukturelle Pläne darstellen, begleitet von handgeschriebenen Textanmerkungen.

Telematikinfrastruktur: Frist für Therapeuten wird bis 2027 verlängert – doch die Probleme bleiben

Deutschland hat die Frist für Therapeuten und Anbieter medizinischer Hilfsmittel zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) um fast fünf Jahre verschoben. Statt wie ursprünglich geplant bis 2023 müssen sich die Betroffenen nun bis zum 1. Oktober 2027 an das System anschließen. Die Verlängerung folgt auf anhaltende technische Probleme, regulatorische Hürden und eine geringe Akzeptanz in der Branche.

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Die Fristverlängerung erfolgt nach wiederholten Rückschlägen bei der Einführung des elektronischen Rezepts für Therapie- und Heilmittel. Zu den zentralen Problemen zählen Verzögerungen bei der Ausgabe der elektronischen Gesundheitsberufsausweise (ePA), Personalmangel in IT-Bereichen sowie die regulatorische Komplexität durch die Medizinprodukteverordnung (MDR) und die Unique Device Identification (UDI)-Vorgaben. Etwa 70 Prozent der Versorgungseinrichtungen verfügen noch immer nicht über eine funktionsfähige TI-Anbindung – ab April drohen ihnen daher Strafen oder Kürzungen der Fördergelder.

Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) begrüßt die Verschiebung und argumentiert, dass die aktuellen TI-Anwendungen zu wenig Nutzen bieten, während die Kosten hoch seien. Gleichzeitig rät das Deutsche Medizinrechenzentrum (DMRZ) den Anbietern, das System frühzeitig einzuführen, um langfristige Vorteile nicht zu verpassen. Der Verband selbst fordert, die zusätzliche Zeit zu nutzen, um die Infrastruktur zu verbessern und den Mehrwert für die Anwender klarer aufzuzeigen.

Für den IT-Dienstleister Cherry mit Sitz in Auerbach bedeutet die Verschiebung Millionenverluste durch ausbleibende Aufträge für TI-Ausstattung. Geschäftsführer Oliver Kaltner bezeichnete die Entscheidung als "Rückschlag für die Modernisierung des Gesundheitswesens" und ein "demotivierendes Signal für Investoren im eHealth-Bereich". Um die Verluste auszugleichen, treibt das Unternehmen nun hochmargige Projekte wie das Terminal-Management-System (TMS) und die TI-Messenger-Software (TIM) voran. Bundesweit sind rund 90.000 Leistungserbringer von der Änderung betroffen.

Die verlängerte Frist gibt den Anbietern bis Oktober 2027 Zeit, die Vorgaben umzusetzen – wobei frühe Nutzer voraussichtlich die größten Vorteile aus dem System ziehen werden. Wer zu lange wartet, riskiert später Betriebsstörungen oder finanzielle Sanktionen, sobald die Kontrollen beginnen. Die Entwicklung unterstreicht zudem den Bedarf an stabilen Prozessen für digitale Identitäten, einer besseren Abstimmung der Regularien und einer verbesserten Netzabdeckung, um eine reibungslosere Einführung zu gewährleisten.

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