Wahlreform in Baden-Württemberg: Größerer Landtag, aber kaum mehr Frauen vertreten
Nina BrandtWarum der Landtag so groß wie nie zuvor ist - Wahlreform in Baden-Württemberg: Größerer Landtag, aber kaum mehr Frauen vertreten
Baden-Württembergs jüngste Wahlreform hat zu einem größeren Landtag geführt – doch die versprochene Steigerung des Frauenanteils blieb aus. Das 2021 eingeführte Zweistimmensystem erweitere das Parlament auf 157 Abgeordnete, 37 mehr als in der vorherigen Legislaturperiode mit 120 Sitzen. Kritiker hatten längst vor einem aufgeblähten Landtag mit höheren Kosten und weniger Politikerinnen gewarnt.
Durch die Reform kamen Überhang- und Ausgleichsmandate hinzu, was die Gesamtzahl der Abgeordneten in die Höhe trieb. Die CDU sicherte sich 14 Überhangmandate, die Grünen erhielten 13 Ausgleichsmandate, die AfD acht und die SPD zwei. Dadurch wuchs der Landtag über seine übliche Größe hinaus – was Bedenken hinsichtlich Effizienz und Ausgaben schürte.
Noch vor der Landtagswahl im März 2026 hatte die FDP mit einer Bürgerinitiative gegen ein "Mega-Parlament" gekämpft. Der Versuch scheiterte zwar, doch die Sorge vor einem überdimensionierten Landtag mit bis zu 200 Abgeordneten blieb bestehen.
Eines der zentralen Ziele der Reform war es, den Frauenanteil im Landtag zu erhöhen. Doch die Ergebnisse blieben hinter den Erwartungen zurück. Der Anteil der Abgeordnete stieg nur leicht von 32,5–33 auf 33,8 Prozent (53 von 157 Sitzen). Während Grünen und SPD eine paritätische Vertretung mit 50 Prozent Frauen erreichten, lag die CDU bei 28,6 Prozent, die AfD sogar nur bei 11,4 Prozent. Zum ersten Mal führte die Reform nicht zu überdurchschnittlichen Zuwächsen für Frauen.
Das neue Wahlsystem hat den Landtag in Baden-Württemberg verändert: Er ist größer geworden, doch die Geschlechterbalance blieb aus. Mit nun 157 Abgeordneten stehen Fragen zu Kosten und Effektivität im Raum. Gleichzeitig bleibt das bescheidene Plus bei der Frauenrepräsentation hinter den Reformzielen zurück.