Wie das ZDF Magazin Royale versehentlich Clownswelt zum YouTube-Boom verhalf
Theo SchmidtWie das ZDF Magazin Royale versehentlich Clownswelt zum YouTube-Boom verhalf
Eine Untersuchung des ZDF Magazin Royale aus dem Jahr 2023 über den rechtsextremen YouTube-Kanal Clownswelt ist spektakulär nach hinten losgegangen. Statt dem Kanal zu schaden, führte der Enthüllungsbeitrag zu einem massiven Anstieg an Abonnenten und Aufrufen. Kritiker werfen dem Moderator der Sendung, Jan Böhmermann, und dem Zeit-Online-Journalisten Christian Fuchs nun unethische Methoden und mögliche Rechtsverstöße vor.
Das ZDF Magazin Royale wollte mit seinem Beitrag den Betreiber von Clownswelt enttarnen, einem Kanal, dem die Verbreitung rechtsextremer Inhalte vorgeworfen wird. Doch die Ausstrahlung löste einen Streisand-Effekt aus: Bis Mai 2025 stieg die Zahl der Abonnenten von 220.000 auf über 384.000. Mittlerweile, im Jahr 2026, verfügt der Kanal über mehr als 500.000 Abonnenten und verzeichnet monatlich Millionenaufrufe. Dieses Wachstum übertrifft vergleichbare rechtsextreme Kanäle wie EinProzent (300.000 Abonnenten, stagnierend) oder Nackt und Prominent (200.000 Abonnenten, langsames Wachstum) bei Weitem.
Der Medienanwalt Christian Solmecke argumentierte, Böhmermann und Fuchs hätten durch die Bloßstellung des YouTubers möglicherweise gegen §126a des Strafgesetzbuchs verstoßen. Konservative Medien und Nutzer in sozialen Netzwerken gingen noch weiter und verglichen ihre Methoden mit denen der Stasi. Einige forderten sogar aus Rache die Veröffentlichung der Privatadressen von Böhmermann und Fuchs.
Der Zeit-Journalist Christian Fuchs verteidigte die Recherche mit dem Hinweis, dass nur ein Prozent der gesammelten Informationen veröffentlicht worden seien, um die Privatsphäre des Betreibers zu schützen. Dennoch kritisierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), es gebe keine handfesten Beweise dafür, dass Clownswelt tatsächlich gefährlich oder rechtsextrem sei. Die Debatte brachte zudem eine langjährige Praxis ans Licht: Linksextreme antifaschistische Gruppen wenden seit Jahrzehnten ähnliche investigativen Methoden gegen Rechtsextreme an.
Finanziell hat die Enthüllung Clownswelt keinen Schaden zugefügt. Im Gegenteil: Durch die größere Reichweite steigen die Werbeeinnahmen, was die Position des Kanals weiter stärkt.
Der Beitrag des ZDF Magazin Royale hat nicht nur die Zuschauerzahlen von Clownswelt in die Höhe getrieben, sondern auch eine juristische und ethische Diskussion ausgelöst. Während Kritiker die verwendeten Methoden scharf verurteilen, zeigt das anhaltende Wachstum des Kanals, dass öffentliche Bloßstellungen manchmal genau das Gegenteil dessen bewirken, was sie verhindern wollen. Der Fall dient nun als warnendes Beispiel dafür, wie der Versuch, eine Plattform zu diskreditieren, ihr ungewollt zu noch größerer Bekanntheit verhelfen kann.






