Wie Hindenburgs Flaggenverordnung 1926 die Weimarer Republik spaltete
Am 5. Mai 1926 erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg in der Weimarer Republik die Zweite Flaggenverordnung. Das Dekret sollte einen langwierigen Streit über nationale Symbole beilegen – doch es entfachte stattdessen die politischen Spannungen um die Identität des Landes von Neuem.
Die Verordnung schrieb deutschen diplomatischen und konsularischen Vertretungen außerhalb Europas vor, zwei Flaggen zu hissen: die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold sowie die Handelsflagge in Schwarz-Weiß-Rot. Dieser Kompromiss zielte darauf ab, die Gräben zwischen Konservativen und Republikanern zu überbrücken, die seit dem Ende des Kaiserreichs über die Symbolpolitik stritten. Doch der Schritt war kalkuliert: Er sollte die „Flaggenfrage“ von rechts aus entschärfen, wissend, dass er die Linke und die Mitte dazu provozieren würde, sich bedingungslos hinter Schwarz-Rot-Gold zu stellen.
Der Konflikt um die Flaggen spiegelte tiefere Spaltungen der Weimarer Gesellschaft wider. Anhänger der schwarz-rot-goldenen Trikolore, die als republikanisches Symbol galt, sahen sich oft mit Widerstand konfrontiert – sei es von Befürwortern der alten kaiserlichen Farben oder von Vertretern alternativer Symbole wie der Regenbogenflagge. Diese Auseinandersetzungen blieben bis 1933 unverändert bestehen und standen exemplarisch für den größeren Richtungsstreit über Deutschlands Zukunft.
Solche Debatten waren kein deutsches Phänomen. Frankreich benötigte nach seiner Revolution achtzig Jahre, bis die Trikolore endgültig als alleinige Nationalflagge anerkannt wurde. In Kanada löste die Einführung des roten Ahornblatt-Banners in den 1960er-Jahren heftige Proteste jener aus, die an älteren Symbolen hingen. Und noch heute gibt es im Vereinigten Königreich Kontroversen um das Georgskreuz, das manche mit englischem oder weißem Nationalismus verbinden.
Die Verordnung von 1926 beendete den Flaggenstreit nicht, doch sie zeigte, wie tief Symbole Gesellschaften spalten können. Der Konflikt um die Nationalfarben in der Weimarer Republik blieb bis zum Untergang des Regimes ungelöst. Ähnliche Auseinandersetzungen in anderen Ländern belegen, dass Flaggen bis heute politische und kulturelle Bruchlinien widerspiegeln.






