04 April 2026, 04:15

Apothekensterben in Deutschland: Reformen sollen die Branche retten – doch die Fronten sind verhärtet

Plakat mit Text, der besagt, dass Big Pharma 2022 Amerikaner zwei bis drei Mal mehr für dieselben Medikamente berechnet hat, mit Bildern von Medikamentenflaschen und einer Spritze.

Apothekensterben in Deutschland: Reformen sollen die Branche retten – doch die Fronten sind verhärtet

Deutschlands Apothekenbranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen, während die Abgeordneten über das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) debattieren. Die Zahl der öffentlichen Apotheken ist seit 2020 um etwa 12 Prozent gesunken – von 19.081 auf voraussichtlich 16.771 im Jahr 2025. Branchenvertreter sind nun gespalten, wenn es um zentrale Reformen geht, darunter Gebührenerhöhungen und die Regulierung verschreibungspflichtiger Medikamente.

Der Rückgang der Apotheken hält seit fünf Jahren an, mit einem Verlust von 2.310 Standorten. Besonders betroffen ist Rheinland-Pfalz, wo die Zahl der Apotheken zwischen 2014 und 2024 um 22 Prozent auf etwa 850 sank. Zwar sind sowohl ländliche als auch städtische Regionen von Schließungen betroffen, doch verzeichnen Großstädte die höchsten absoluten Verluste. Ein weiterer Rückgang um 3,4 Prozent in der Region zwischen 2023 und 2024 verschärfte die Sorgen.

Trotz der Schließungswelle stellt Iris an der Heiden vom IGES-Institut keine Verschlechterung der Versorgungssicherheit für die Bevölkerung fest. Thomas Preis, Präsident der Bundesapothekerkammer (ABDA), fordert hingegen dringendes Handeln und verweist auf einen anhaltenden Rückgang seit 13 Jahren. Gleichzeitig unterstützt er Pläne, die feste Apothekengebühr durch neue Regelungen anzuheben.

Gegen bestimmte Reformvorhaben regt sich Widerstand aus verschiedenen Lagern. Ulrich Langenberg von der Bundesärztekammer (BÄK) lehnt Bestrebungen ab, verschreibungspflichtige Medikamente rezeptfrei abzugeben. Markus Grunenberg vom GKV-Spitzenverband warnt, dass eine Erhöhung der Festgebühr die Steuerzahler bis zu eine Milliarde Euro kosten könnte. Thomas Porstner vom Phagro-Großhandelsverband plädiert für strengere Kontrollen von Logistikunternehmen, die Arzneimittel lagern und transportieren.

Weitere Diskussionen drehen sich um die Rezepturherstellung und Branchenpraktiken. Dr. Stefan Hartmann vom Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) fordert eine Neuausrichtung der Erstattungsregeln. Anja Zierath vom Bundesverband der Pharmazeutisch-technischen Assistenten (BVpta) weist die Idee einer Apothekenvertretung ohne zusätzliche Qualifizierung zurück. Bork Bretthauer von Pro Generika lobt zwar die stabile Versorgung mit Biosimilars, spricht sich aber für ein Verbot von Exklusivverträgen aus.

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Der Gesundheitsausschuss des Bundestags prüft das ApoVWG weiter – bei uneinheitlichen Positionen der Branchenvertreter. Sollten die Reformen verabschiedet werden, könnten sie die Apothekenfinanzierung, die Arzneimittelverteilung und berufliche Standards grundlegend verändern. Die Beschlüsse werden voraussichtlich sowohl die Kosten für das Gesundheitssystem als auch den Zugang zu Medikamenten im gesamten Land beeinflussen.

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