Apothekerin lockt mit ungewöhnlicher Rabattaktion gegen Konkurrenz
Claudia Bauer, Inhaberin der Rennsteig-Apotheke in Steinbach am Wald, geht einen ungewöhnlichen Weg, um Kunden zu gewinnen: Sie akzeptiert Rabattgutscheine konkurrierender Apotheken und gleicht deren Preise in ihrem eigenen Geschäft an. Die Maßnahme ist Teil ihrer langjährigen Philosophie, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen – mit kleinen Aufmerksamkeiten und zurückhaltenden Aktionen.
Seit 25 Jahren führt Bauer die Apotheke, nachdem sie extra von Bonn in den oberfränkischen Landkreis Kronach gezogen war, um das Geschäft zu übernehmen. Ihre neueste Initiative, die sie auf Facebook bekannt gab, lädt Kunden ein, Rabattcoupons von Mitbewerbern mitzubringen – diese werden bei ihr zum gleichen Konditionen eingelöst. Ganz neu ist das Prinzip nicht: Die Drogeriekette Müller hat Ähnliches bereits praktiziert.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Apothekenrabatte haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) aus dem Jahr 2016 erlaubte es Unternehmen, Gutscheine von Konkurrenten anzunehmen, um Kunden zu ködern. Doch jüngere Entscheidungen des BGH und des Europäischen Gerichtshofs haben die Werbemöglichkeiten – insbesondere für rezeptfreie Medikamente (OTC) – wieder eingeschränkt. Diese Regelungen gelten für alle Apotheken, ob unabhängig oder Teil einer Kette, und begrenzen die Spielräume für preisorientiertes Marketing.
Bauer selbst hält ihre Rabatte in Grenzen und bietet meist rund 20 Prozent Nachlass. Die teilweise drastischen Preisnachlässe von bis zu 52 Prozent, wie sie andere Apotheken gewähren, sieht sie kritisch. Stattdessen setzt sie auf kleine Gesten: Kunden dürfen gerne nach Extras wie Taschentuchpackungen fragen – wenn es den Tag ein wenig versüßt.
Aktuell sucht Bauer Verstärkung für ihr Team und wirbt um Apotheker sowie Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA). Steinbach am Wald, die einzige bayerische Gemeinde, durch die der Rennsteig-Wanderweg führt, bleibt ein kleiner, aber umkämpfter Apothekenmarkt. Bauers Entscheidung, Konkurrenzrabatte anzuerkennen, unterstreicht ihren langjährigen Fokus auf Kundentreue und Service. Gleichzeitig zeigt der Schritt die anhaltende Spannung zwischen werblichem Gestaltungsspielraum und verschärften rechtlichen Vorgaben im deutschen Apothekensektor.






