Berliner Plan für autofreie Innenstadt scheitert an fehlenden Unterschriften
Matteo KrauseBerliner Plan für autofreie Innenstadt scheitert an fehlenden Unterschriften
Ehrgeiziger Plan für autofreie Zone innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings gescheitert
Ein kühner Vorschlag, innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings eine weitgehend autofreie Zone einzurichten, ist gescheitert, nachdem die notwendige Unterstützung ausgeblieben ist. Die Initiative „Autofreies Berlin“ verfehlte bis zum Stichtag am 8. Mai die erforderlichen 174.000 Unterschriften und brachte es lediglich auf 140.000. Trotz dieses Rückschlags befürworten viele Berlinerinnen und Berliner weiterhin die Idee, den Verkehr in der Innenstadt zu reduzieren.
Das geplante Gesetz sah vor, den Großteil der Privatfahrzeuge aus dem inneren Ring zu verbannen. Ausnahmen sollten es für Rettungsdienste, Taxis, Busse und kleine Elektrofahrzeuge geben. Autofahrer hätten jährlich zwölf selbst gewählte Tage erhalten, an denen sie die Zone frei hätten befahren dürfen. Zudem waren Befreiungen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, den Güterverkehr und wirtschaftlich unverzichtbaren Verkehr vorgesehen.
Kritiker monierten, die Initiative setze auf Verbote, statt notwendige Infrastrukturmaßnahmen wie den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs voranzutreiben. Eine Umfrage vom Januar 2023 ergab, dass 59 Prozent der Berlinerinnen und Berliner dafür sind, Autospuren in Bus- oder Straßenbahntrassen umzuwandeln, während 67 Prozent strengere Parkregeln fordern. Selbst bei einem erfolgreichen Bürgerentscheid wäre die Umsetzung schwierig gewesen – Zweifel bestanden, ob sich Autofahrer an die Regeln halten würden.
Das Scheitern der Initiative wirft bei manchen Anwohnern die Frage auf, ob Volksentscheide überhaupt geeignet sind, die Stadtpolitik wirksam zu gestalten. Dennoch genießen die Ziele – eine gerechtere Straßenraumverteilung, mehr Sicherheit und saubere Luft – nach wie vor breite Unterstützung. Zum Vergleich: In Paris wurden ähnliche Maßnahmen erfolgreich eingeführt, wo die pro-Fahrrad- und Fußgängerpolitik von Bürgermeisterin Anne Hidalgo auf öffentliche Zustimmung stößt.
Da die Initiative „Autofreies Berlin“ nicht genug Unterschriften sammeln konnte, kommt der Plan nicht voran. Zwar ist das konkrete Vorhaben vorerst vom Tisch, doch die Debatte über eine Verkehrswende in der Stadt geht weiter. Viele Berlinerinnen und Berliner wünschen sich nach wie vor langfristige Veränderungen, um den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern und den Individualverkehr einzudämmen.






