EMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film trotz politischer Kritik und BDS-Vorwürfe
Leni RichterEMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film trotz politischer Kritik und BDS-Vorwürfe
European Media Art Festival in Osnabrück zeigt trotz Kontroverse Film palästinensischer Künstlerin
Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück hält an seinen Plänen fest, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Samah Al-Sharif zu zeigen – trotz wachsender Kritik. Lokale und regionale Politiker haben sich öffentlich von der Entscheidung distanziert und verweisen auf Bedenken wegen Al-Sharifs politischer Äußerungen und angeblicher Verbindungen zur BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen). Das Festival betont hingegen sein Bekenntnis zu künstlerischer Freiheit und offenem Dialog.
Im Mittelpunkt der Debatte steht nicht Al-Sharifs Werk selbst, sondern ihre Aktivität in sozialen Medien. Kritiker werfen ihr Antisemitismus und Unterstützung für die BDS-Bewegung vor, die in Deutschland auf starke politische Ablehnung stößt. 2019 hatte der Bundestag BDS als antisemitisch eingestuft; mehrere Bundesländer, darunter Bayern, haben öffentliche Fördergelder für mit der Bewegung verbundene Gruppen gestrichen. In den vergangenen Jahren gab es wiederholt Proteste gegen Kulturveranstaltungen mit Personen, denen BDS-Nähe vorgeworfen wird – etwa 2023 bei den Absagen von Auftritten von Roger Waters.
Der Osnabrücker Kulturdezernent Wolfgang Beckermann hatte das Festival aufgefordert, Al-Sharifs Beitrag aus dem Programm zu nehmen. Die Stadt sowie Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) verurteilen zwar Antisemitismus, respektieren aber die künstlerische Entscheidungshoheit des Festivals. Die künstlerische Leiterin des EMAF, Katrin Mundt, beschreibt Al-Sharifs Posts – darunter ein umstrittenes Halloween-Foto – als interpretationsoffen und mehrdeutig.
Das diesjährige Motto des Festivals, "An Incomplete Assembly" (Eine unvollständige Versammlung), lotet das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit und Verantwortung aus. Das EMAF hat zwar eine Geschichte der Zusammenarbeit mit palästinensischen Künstlern, integriert aber auch jüdische und israelische Perspektiven in sein Programm. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, warnt davor, palästinensische Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung zum Schweigen zu bringen.
Die Vorstellung von Al-Sharifs Film "Morning Circle" findet wie geplant statt – und rückt das Festival damit in den Fokus einer größeren Debatte über politische Äußerungen in der Kunst. Während die Politik ihre Haltung gegen Antisemitismus betont, zeigt die EMAF-Entscheidung die anhaltenden Konflikte zwischen Meinungsfreiheit, Kulturprogramm und politischer Verantwortung auf. Das Festival bleibt damit seinem langjährigen Anspruch treu, auch umstrittene Standpunkte zu repräsentieren – selbst bei öffentlichem Widerspruch.






