Entwicklungshilfe braucht dringend Reformen – NGOs fordern mehr Mitsprache und Geld
Nina BrandtEntwicklungshilfe braucht dringend Reformen – NGOs fordern mehr Mitsprache und Geld
Zwei führende Nichtregierungsorganisationen haben ihre jährliche Bewertung der deutschen Entwicklungspolitik vorgestellt. Mathias Mogge von der Welthungerhilfe und Joshua Hofert von Terre des Hommes präsentierten am Mittwoch in Berlin ihre Erkenntnisse. Sie forderten dringende Reformen bei der Finanzierung und Steuerung der deutschen Entwicklungshilfe.
Die Organisationen begrüßten zwar jüngste Schritte zur Reform der Entwicklungspolitik, kritisierten jedoch das Fehlen einer klaren Strategie in den Plänen von Entwicklungsministerin Svena Reem Alabali-Radovan.
Mogge betonte die Notwendigkeit einer qualitativ hochwertigeren Hilfe. Er forderte weniger Bürokratie, einfachere Verfahren und mehr Freiräume für zivilgesellschaftliche Gruppen. Zudem unterstrich er die Bedeutung einer ausgewogenen Kombination aus kurzfristiger humanitärer Unterstützung und langfristiger Präventionsarbeit.
Hofert argumentierte, dass Reformen nicht allein aus Berlin gesteuert werden dürften. Er bestand darauf, dass Partnerländer, lokale Zivilgesellschaften und junge Menschen von Anfang an formal in Entscheidungsprozesse einbezogen werden müssten. Beide Vertreter betonten, dass das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Zivilgesellschaft in den Prozess einbinden müsse.
Die NGOs wiesen auf wachsende Herausforderungen für die Entwicklungspolitik hin. Kriege, Klimawandel und andere Krisen erhöhten den Druck auf die Hilfsetats. Sie riefen die Bundesregierung auf, die humanitären Mittel im nächsten Haushalt auf 2,8 Milliarden Euro zu erhöhen – eine Steigerung gegenüber den derzeitigen eine Milliarde Euro.
Gleichzeitig warnten sie, dass eine zunehmende Politisierung die Grundprinzipien der Entwicklungshilfe untergraben könne. Damit Zusammenarbeit funktioniere, müsse sie sich an den Bedürfnissen lokaler Akteure orientieren, so die NGOs. Zudem müsse die Regierung Konflikte zwischen eigenen Interessen und denen der Partnerländer lösen.
In ihrem Bericht fordern die Organisationen mehr finanzielle Mittel, bessere Strukturen und eine breitere Beteiligung an Entscheidungsprozessen. Diese Schritte seien ihrer Ansicht nach entscheidend, damit die deutsche Entwicklungspolitik wirksam bleibe. Nun liegt es an den Berliner Politikern, auf die Vorschläge zu reagieren.
