26 April 2026, 22:15

Ex-Ministerpräsident Müller warnt vor falscher AfD-Strategie der etablierten Parteien

Deutsches Propagandaplakat für die Nazi-Partei mit zwei Männern auf einem Sofa.

Ex-Ministerpräsident Müller warnt vor falscher AfD-Strategie der etablierten Parteien

Peter Müller, ehemaliger Ministerpräsident des Saarlandes und pensionierter Richter am Bundesverfassungsgericht, hat sich gegen die politische Strategie ausgesprochen, die AfD zu isolieren. In einem aktuellen Gastbeitrag argumentiert er, dass die bisherigen Taktiken scheitern – und der Partei sogar zu weiterem Wachstum verhelfen könnten.

Müllers Äußerungen fallen in eine Zeit, in der die Diskussionen darüber anhalten, ob die AfD verboten werden sollte oder ob die strikte "Brandmauer" gegen eine Zusammenarbeit mit ihr aufrechterhalten werden muss. Müller begann seine politische Laufbahn 1999 als Regierungschef des Saarlandes, ein Amt, das er bis 2011 innehatte, bevor er bis 2023 als Richter am Bundesverfassungsgericht wirkte. Seine juristische und politische Erfahrung prägt seine aktuelle Kritik an der Art und Weise, wie die etablierten Parteien mit der AfD umgehen.

In der Süddeutschen Zeitung schrieb er, die sogenannte "Brandmauer" gegen die AfD habe bereits Risse bekommen. Er verwies auf Fälle, in denen andere Parteien – darunter CDU und SPD – im Parlament gelegentlich gleich wie die AfD abgestimmt hätten. So hätten etwa in Rheinland-Pfalz kürzlich beide Parteien versucht, die Hürden für Untersuchungsausschüsse anzuheben – ein Schritt, den Müller als indirekte Zugeständnisse wertet.

Gleichzeitig warnte er davor, ein AfD-Verbot anzustreben, da dies nach hinten losgehen könnte. Ein Verbotsverfahren, so seine Argumentation, ermögliche es der Partei, sich als Opfer zu inszenieren und damit Sympathien zu gewinnen. Zudem sei ein Erfolg keineswegs garantiert, und ein juristischer Streit könnte sich über Jahre hinziehen.

Obwohl Müller betonte, dass gezielte Bündnisse mit der AfD tabu bleiben müssten, rief er die Parteien dazu auf, richtige politische Entscheidungen nicht allein deshalb abzulehnen, weil die AfD sie unterstützt. Er verglich die Situation in Deutschland mit jüngsten Rückschlägen für rechtspopulistische Führer in Europa, wie Viktor Orbán in Ungarn oder Geert Wilders in den Niederlanden. Während diese an Einfluss verlören, gewinne die AfD weiterhin an Boden.

Müllers Eingreifen verlagert die Debatte von einer pauschalen Ausgrenzung hin zu einem pragmatischeren Ansatz. Er ist überzeugt, dass die Marginalisierung der AfD in der parlamentarischen Arbeit deren Attraktivität nur steigert. Seine Argumentation legt nahe, dass die etablierten Parteien ihre Strategien überdenken müssen – oder riskieren, den Rechtspopulismus weiter zu stärken.

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Die Diskussion darüber, wie mit dem Aufstieg der AfD umzugehen ist, wird durch Müllers juristische und politische Autorität nun voraussichtlich an Fahrt aufnehmen. Sein Plädoyer für einen Kurswechsel erhält dadurch zusätzliches Gewicht.

Quelle