Experten fordern: Natürliche Infrastruktur muss kritische Infrastruktur werden
Matteo KrauseExperten fordern: Natürliche Infrastruktur muss kritische Infrastruktur werden
Ein Expertengremium, das die deutsche Bundesregierung berät, fordert, natürliche Infrastruktur als kritische Infrastruktur anzuerkennen. Die Gruppe argumentiert, dass Ökosysteme wie Seen, Wälder und Moore für den Zivilschutz von entscheidender Bedeutung sind, bisher jedoch nicht denselben Stellenwert genießen wie Straßen oder Energienetze. Der Bericht stammt vom Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), einem neunköpfigen Gremium aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, das vom Bundeskabinett berufen wird.
Das Gremium betont die Rolle von Ökosystemen als natürliche Puffer gegen Hitzewellen, Pandemien und Extremereignisse. Eine Einstufung als kritische Infrastruktur würde ihren Schutz mit den Prioritäten der zivilen Sicherheit verknüpfen. Der Rat empfiehlt zudem, das Bewusstsein für Umweltrisiken in die militärische Ausbildung zu integrieren und das Thema zum Schwerpunkt des Nationalen Sicherheitsrats zu machen.
Um den Schutz von Ökosystemen zu stärken, schlägt der Bericht vor, bundesweit wichtige Naturräume systematisch zu erfassen und Frühwarnsysteme für schleichende Degradation einzurichten. Als Vorbild für eine von lokalen Akteuren getragene Entwicklungspolitik wird die Coral Triangle Initiative genannt. Die Autorinnen und Autoren regen außerdem an, öffentliche und private Mittel zu mobilisieren, um diese Maßnahmen zu unterstützen, und fordern Unternehmen auf, in den Naturschutz zu investieren.
Gleichzeitig warnt der Rat davor, Klimaprojekte zu kürzen, da diese Initiativen nicht nur die Biodiversität und Ökosysteme stärken, sondern auch zur globalen Sicherheit beitragen. Er rät zu einer Umstellung der weltweiten Energieerzeugung auf erneuerbare Quellen wie Solar- und Windkraft und verweist auf wirtschaftliche, gesundheitliche und souveränitätspolitische Vorteile.
Ziel der Empfehlungen ist es, den Stellenwert natürlicher Infrastruktur in der nationalen Politik zu erhöhen. Gezielte Förderung, Frühwarnsysteme und lokale Führungskräfte werden als zentrale Schritte vorgeschlagen. Der Bericht unterstreicht, dass Ökosysteme die Grundlage des Zivilschutzes bilden und wie andere kritische Systeme geschützt werden müssen.
