Frauen in Apotheken: Mehr Verantwortung, weniger Lohn und ungleiche Lasten
Nina BrandtFrauen in Apotheken: Mehr Verantwortung, weniger Lohn und ungleiche Lasten
Frauen in Deutschland sehen sich weiterhin mit erheblichen Lohnungleichheiten und ungleichen Belastungen am Arbeitsplatz konfrontiert – besonders im Apothekensektor. Trotz eines Frauenanteils von fast 90 Prozent in öffentlichen Apotheken verdienen sie im Schnitt weniger und tragen den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit. Branchenvertreter fordern nun strukturelle Veränderungen, um diese langjährigen Ungerechtigkeiten zu beheben.
Die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern bleibt in Deutschland eklatant: Frauen erhalten für vergleichbare Arbeit 4,10 Euro weniger pro Stunde als Männer – ein Unterschied von etwa 16 Prozent. Doch nicht nur beim Gehalt sind Frauen benachteiligt: Sie übernehmen auch den Großteil der unbezahlten Arbeit, darunter zwei Drittel der Kinderbetreuung, den Löwenanteil der Haushaltsaufgaben und einen großen Teil der Pflege von Angehörigen.
In Apotheken fällt das Ungleichgewicht besonders ins Gewicht. Frauen dominieren den Berufsstand: 2024 stellen sie 89,2 Prozent der Beschäftigten in öffentlichen Apotheken – ein deutlicher Anstieg gegenüber etwa 50 Prozent im Jahr 2000. Treibende Kräfte hinter dieser Entwicklung waren unter anderem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) von 2006, verbesserte Teilzeitregelungen und Programme zur Kinderbetreuung. Heute sind 74,1 Prozent der approbierten Apothekerinnen Frauen, ebenso wie 74,8 Prozent der Pharmaziestudierenden im Praktikum (PhiP). Bei Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen (PTA) und Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten (PKA) liegt der Frauenanteil sogar bei 96,6 bzw. 97,5 Prozent.
Tanja Kratt, Bundesvorstandsmitglied der Adexa, betont, dass Frauen in Apotheken zentrale Aufgaben wie Patientenberatung, Arzneimittelsicherheit und organisatorische Tätigkeiten übernehmen – doch ihre Leistungen würden systematisch unterbewertet. Kratt setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen ein, darunter flexiblere Arbeitszeiten und eine ausgewogenere Work-Life-Balance. Sie fordert, strukturelle Diskriminierung abzubauen, um die Arbeit von Frauen im Sektor angemessen anzuerkennen.
Innerhalb der letzten 25 Jahre ist der Apothekensektor zunehmend weiblich geprägt worden – doch Lohnungleichheit und ungleiche Verantwortungsverteilung bestehen fort. Angesichts lauter werdender Reformforderungen könnte sich entscheiden, ob sich diese Missstände durch Änderungen in der Arbeitsplatzpolitik und gesellschaftlichen Einstellungen verringern lassen. Bis dahin bleiben Frauen – in bezahlten wie in unbezahlten Tätigkeiten – das Rückgrat der Branche.






