Gedenken in Halle: Befreiung vom NS-Regime spaltet zwischen Erinnerung und Politik
Nina BrandtGedenken in Halle: Befreiung vom NS-Regime spaltet zwischen Erinnerung und Politik
81. Jahrestag der Befreiung Halles (Saale) vom NS-Regime: Gedenken und Streit
Die Feierlichkeiten zum 81. Jahrestag der Befreiung Halles (Saale) von der nationalsozialistischen Herrschaft waren von würdevollen Zeremonien – und kontroversen Auseinandersetzungen geprägt. Als sich die Teilnehmer auf dem Südfriedhof versammelten, wo 977 sowjetische Bürger bestattet liegen, entluden sich politische Spannungen. Die Veranstaltung, die eigentlich Widerstandskämpfern gelten sollte, wurde zum Zankapfel über aktuelle Konflikte und den Umgang mit historischer Erinnerung.
Die Gedenkstätte im Südfriedhof Halles bleibt das bedeutendste Mahnmal der Region für die Rolle der Sowjetunion im Kampf gegen das NS-Regime. Obwohl die Stadt 1944 von der US-Armee befreit wurde, ehrt der Ort hier begrabene Soldaten der Roten Armee. Die Anwesenden legten Blumen nieder, während die stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Judith Marquardt im Namen des Oberbürgermeisters einen offiziellen Kranz niederlegte.
Eine Gruppe, die sich als „Halle-Bewegung“ bezeichnet, erschien mit russischen Fahnen und Symbolen – und erntete scharfe Kritik. Die Veranstalter warfen ihr vor, die rechtsextreme AfD und Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu unterstützen. Lukas Wanke vom VVN-BdA, einer antifaschistischen Organisation, betonte, das Andenken an die Rote Armee sei zwar wichtig, dürfe aber heutige Unrechte nicht rechtfertigen.
Eric Stehr von der Linken warnte davor, sich mit Regimen gemein zu machen, die für Terror und Zerstörung verantwortlich seien. Wanke fügte hinzu, der Kampf gegen den Faschismus sei noch nicht beendet – Wachsamkeit gegen sein Wiedererstarken sei geboten.
Die Gedenkveranstaltung offenbarten tiefe Gräben darüber, wie Geschichte im Licht aktueller politischer Konflikte zu würdigen ist. Das Mahnmal steht als Symbol für den sowjetischen Beitrag zum Sieg über den Nationalsozialismus – doch die Debatte über seine heutige Bedeutung geht weiter. Sowohl offizielle Vertreter als auch Aktivisten riefen zur Einheit gegen Extremismus auf und verurteilten Versuche, historische Erinnerung für politische Zwecke zu instrumentalisieren.






