Kostenlose Filmvorführung in Neuwied erinnert an Hanau-Anschlag und seine Folgen
Theo SchmidtKostenlose Filmvorführung in Neuwied erinnert an Hanau-Anschlag und seine Folgen
Kostenlose Filmvorführung und Diskussion am 20. März 2023 in Neuwied im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus
Am 20. März 2023 findet im Big House Jugendzentrum in Neuwied eine kostenlose Filmvorführung mit anschließender Diskussion statt – Teil der Internationalen Wochen gegen Rassismus. Gezeigt wird der Dokumentarfilm "Das deutsche Volk", der sich mit den Folgen des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau im Jahr 2020 auseinandersetzt, bei dem neun junge Menschen ermordet wurden. Die Veranstalter laden insbesondere Jugendliche und die interessierte Öffentlichkeit ein, den Film zu sehen und sich im Anschluss an einer moderierten Diskussion zu beteiligen.
Der von Marcin Wierzchowski gedrehte Film begleitet über vier Jahre hinweg Überlebende und Angehörige der Opfer. Er dokumentiert ihre Trauer, ihren Kampf um Aufklärung über die Beweggründe der Tat sowie ihren anhaltenden Einsatz für Gerechtigkeit und Anerkennung. Gleichzeitig untersucht der Film, wie der Anschlag die Stadt Hanau und das Leben der Hinterbliebenen nachhaltig verändert hat.
Beginn der Vorstellung ist um 19:00 Uhr im Big House, Museumstraße 4a, Neuwied. Im Anschluss an den Film führt Christopher Hoffmann eine Diskussion mit dem Publikum. Der Eintritt ist frei, die Veranstaltung steht allen offen. Organisiert wird sie vom Jugendzentrum in Kooperation mit dem Pastoralen Netzwerk Neuwied und den Schulsozialdiensten Neuwied.
Seit dem Anschlag 2020 steht Deutschland in der Kritik, weil Behörden versagt haben: Warnsignale vor dem Attentäter wurden ignoriert, und ein verriegelter Notausgang – dessen fatale Folgen die Forschungsgruppe Forensic Architecture später bestätigte – kostete Menschen das Leben. Familien wie die der Kurtovics kämpfen weiterhin um Gerechtigkeit; für 2025 ist eine Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht angesetzt. Unterdessen hat sich die politische Landschaft in Hanau nach rechts verschoben: SPD, CDU und FDP zogen bis 2025 ihre Unterstützung für von Opferangehörigen initiierte Gedenkprojekte zurück und forderten stattdessen mehr "Respekt vor den Behörden". Trotz anhaltender grassroots-antiassistischer Initiativen bleiben strukturelle Reformen in der Opferhilfe und Bildungsarbeit begrenzt.
Die Neuwieder Veranstaltung bietet einen Raum, um über die langfristigen Folgen des Hanau-Anschlags nachzudenken. Die Besucher:innen erhalten durch den Film und die Diskussion direkte Einblicke in die Perspektiven der Betroffenen. Die Vorführung ist Teil übergreifender Bemühungen, Rassismus zu bekämpfen und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen – während Familien und Aktivist:innen auch Jahre nach der Tragödie weiter für Gerechtigkeit kämpfen.






