Lale Tollkiens bewegende Kindheit zwischen Chaos und Widerstandskraft
Theo SchmidtLale Tollkiens bewegende Kindheit zwischen Chaos und Widerstandskraft
Lale Tollkiens Kindheit spielte sich in den 1980er-Jahren in einer der chaotischsten Männer-WGs Berlins ab. Ihre frühen Jahre waren geprägt von Vernachlässigung, Drogen und Missbrauch – Erfahrungen, die sie später in einem eindringlichen Debütroman verarbeitete. "Mit beiden Händen den Himmel stützen" enthüllt die harte Realität eines Aufwachsens in einem Umfeld, in dem revolutionäre Ideale mit persönlicher Selbstzerstörung kollidierten.
Das Buch, eine Mischung aus Autobiografie und Fiktion, zeichnet Lales Weg von einer turbulentem Kindheit in der autonomen Szene Kreuzbergs bis hin zu ihrem späteren Leben als Schriftstellerin nach. Ihre Geschichte wirft ein Licht auf eine oft verdrängte Seite von Berlins radikalem Erbe.
Lale wurde in eine Welt hineingeboren, in der politische Debatten mit exzessivem Alkoholkonsum und Drogenkultur einhergingen. Die WG-Wohnung, voller giftiger Substanzen, war ihr unsicheres Zuhause. Frauen kamen und gingen, doch Lale blieb – oft übersehen im Chaos.
Schon mit eineinhalb Jahren wurde sie in staatliche Obhut genommen, nachdem sie in Gegenwart ihrer Mutter Rohypnol-Tabletten verschluckt hatte. Ihr Vater, während dieser Krise abwesend, saß zu dieser Zeit im Gefängnis. Später, als er in die WG zog, erkannte auch er die Gefahren um sie herum nicht.
Die Schule bot Lale einen kurzen Ausweg aus dem Exzess der Kommune. Doch mit Beginn der Pubertät stürzte sie in Sucht und instabile Beziehungen ab. Der Missbrauch durch einen Mitbewohner hinterließ tiefe Wunden. Doch Jahrzehnte später fand sie einen Weg, diese Verletzungen literarisch zu verarbeiten.
Ihr Roman verschweigt die Widersprüche ihrer Erziehung nicht. Die Kommunarden sprachen von Revolution, doch oft ignorierten sie den Schaden, den sie anrichteten. Lales Geschichte fängt sowohl die Freiheit als auch die Zerstörung jener Zeit ein.
Heute steht Lale Tollkiens Buch als ein Zeugnis des Überlebens und der Verwandlung. Es dokumentiert eine Kindheit, geformt von Berlins radikaler Subkultur – eine Zeit, in der Vernachlässigung und Missbrauch neben Idealismus existierten. Durch das Schreiben hat sie sich ihre Stimme zurückerobert und ihr Schicksal in eine Geschichte der Widerstandsfähigkeit verwandelt.






