Mecklenburg-Vorpommern plant umstrittene Reform des Landesverfassungsgerichts
Matteo KrauseMecklenburg-Vorpommern plant umstrittene Reform des Landesverfassungsgerichts
Mecklenburg-Vorpommerns Regierungsbündnis treibt Reform des Landesverfassungsgerichts voran
Die Koalition aus SPD, Grünen und Linken in Mecklenburg-Vorpommern will die Besetzung der Richterposten am Landesverfassungsgericht reformieren und bestehende Regelungen in der Verfassung verankern. Der Vorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Umfragen die AfD mit 34 Prozent klar in Führung sehen – weit vor den anderen Parteien.
Ziel der geplanten Änderungen ist es, politische Blockaden bei der Richterernennung zu verhindern. Kritiker werfen der Koalition jedoch vor, damit Einfluss auf die künftige Ausrichtung des Gerichts nehmen zu wollen.
Hintergrund der Reform sind Bedenken hinsichtlich der Funktionsfähigkeit des Gerichts. Nach geltendem Recht ist für die Ernennung von Richtern eine Zweidrittelmehrheit erforderlich – ein Quorum, das die Koalition als potenzielle "Blockadegefahr" betrachtet. Scheitert eine Einigung, soll das Gericht selbst innerhalb von sechs Monaten nach Ablauf einer Amtszeit Ersatzkandidaten vorschlagen. Das Landesparlament würde anschließend über diese abstimmen, wobei nur eine absolute Mehrheit nötig wäre.
Darüber hinaus will die Koalition bestehende Praktiken verfassungsrechtlich festschreiben, darunter eine Amtszeitbegrenzung von zwölf Jahren für Richter sowie eine Altersgrenze von 68 Jahren. Befürworter argumentieren, die Neuregelungen würden das Gericht vor kurzfristigen politischen Auseinandersetzungen schützen.
Die Opposition lehnt die Pläne entschieden ab. CDU-Fraktionschef Daniel Peters lehnte den Vorschlag ab und plädierte stattdessen für Vertrauen und offenen Diskurs, um die Demokratie zu stärken. Enrico Schult, stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion, ging noch weiter und warf der Koalition vor, mit einem "Verfassungstrick" das Gericht langfristig in eine linke Ausrichtung drängen zu wollen.
Die Debatte erinnert an frühere Kontroversen. So hatte 2020 die Ernennung von Barbara Borchardt zur Verfassungsrichterin wochenlange Streitigkeiten über ihren politischen Hintergrund ausgelöst. Erst kürzlich verabschiedete der Landtag von Sachsen-Anhalt eine ähnliche Reform – getragen von CDU, Linken, SPD, FDP und Grünen.
Aktuelle Umfragen sehen die AfD mit 34 Prozent deutlich vor der SPD (26 Prozent) und der CDU (12 Prozent). Die Linke kommt auf 10 Prozent, während Grünen und die neue BSW-Partei jeweils bei 5 Prozent liegen.
Der Reformvorschlag wird nun im Landtag weiter beraten. Bei einer Verabschiedung würde er die Auswahl der Richter verändern und Amtszeitbegrenzungen in der Verfassung verankern. Das Ergebnis könnte die Unabhängigkeit des Gerichts und sein Verhältnis zu den Parteien auf Jahre hinaus prägen.






