Netrebkos polarisierendes Comeback: Jubel im Saal, Proteste vor der Tür
Matteo KrauseNetrebkos polarisierendes Comeback: Jubel im Saal, Proteste vor der Tür
Premiere mit Protesten: Anna Netrebkos umstrittenes Comeback an der Berliner Staatsoper
An der Staatsoper Unter den Linden feierte am Wochenende eine mutige Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere. Die Produktion mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle der Amelia sorgte sowohl für Begeisterung als auch für Kontroversen. Während drinnen die fast dreistündige Aufführung stattfand, kam es vor dem Opernhaus zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Netrebko-Unterstützern.
Der Abend begann mit etwa 50 Protestierenden, die sich vor der Staatsoper versammelt hatten. Mit ukrainischen Fahnen skandierten sie Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Ihr Protest richtete sich gegen Netrebkos frühere Verbindungen zu Präsident Wladimir Putin, darunter ihre Teilnahme an einer Geburtstagsfeier im Moskauer Kreml.
Drinnen herrschte dagegen eine völlig andere Stimmung. Netrebko wurde vom Publikum mit begeistertem Applaus empfangen, als sie die Bühne betrat und ihre Rolle in Verdis Oper im Rahmen des Festprogramms der Staatsoper wiederaufnahm. Die Inszenierung unter der Regie von Rafael R. Villalobos verband queere Ballroom-Kultur mit Themen der Aids-Krise und verlieh dem klassischen Werk so eine zeitgenössische Note.
Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, sieht sich in Deutschland seit ihrem letzten Auftritt an der Staatsoper vor Jahren anhaltender Kritik ausgesetzt. Auch ihre Nabucco-Aufführungen im März 2026, bei denen sie als Abigaille vor ausverkauften Häusern und stehenden Ovationen auftrat, waren von Protesten begleitet. Trotz der Vorwürfe betonte Intendantin Elisabeth Sobotka, dass sich Netrebko öffentlich von Russland distanziert habe und seit Langem nicht mehr dorthin zurückgekehrt sei.
Am Ende der fast dreistündigen Vorstellung ernteten Ensemble und Musiker starken Beifall. Der Kontrast zwischen den Protesten draußen und den stehenden Ovationen im Saal unterstrich die anhaltende Polarisierung um Netrebkos Karriere in Deutschland.
Die Premiere von Un ballo in maschera zeigte einmal mehr die zwiespältige Rezeption der Sängerin in Berlin. Während ihre künstlerischen Leistungen weiterhin gefeiert werden, machen die Proteste vor dem Opernhaus deutlich, dass die Kritik an ihrer Person fortbesteht. Die Entscheidung der Staatsoper, sie zu engagieren, bleibt ein zentraler Diskussionspunkt in der deutschen Kulturszene.






