07 June 2026, 06:14

Organspende-Reform: Deutschland plant Widerspruchsmodell bis 2030

Berliner haben bisher in diesem Jahr mehr Organe gespendet

Organspende-Reform: Deutschland plant Widerspruchsmodell bis 2030

Deutschland steht vor einer grundlegenden Reform des Organspende-Rechts. Bis 2030 könnte ein Widerspruchsmodell eingeführt werden, das alle Erwachsenen automatisch als potenzielle Spender einstuft – es sei denn, sie lehnen dies ausdrücklich ab. Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der aktuelle Zahlen zwar einen Anstieg der Spenden verzeichnen, die Nachfrage die verfügbaren Organe aber bei Weitem übersteigt.

In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 stiegen die Organspenden in Deutschland um 12 Prozent. Insgesamt wurden 1.405 Organe transplantiert – gegenüber 1.253 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Besonders markant war der Anstieg in Berlin: Hier wurden zwischen Januar und Mai 73 Organe gespendet, fast doppelt so viele wie die 39 im ersten Halbjahr 2025.

Trotz dieser Fortschritte reichen die Zahlen bei Weitem nicht aus. Bundesweit warten etwa 8.200 Menschen auf ein Spenderorgan. Allein in Berlin stehen über 400 Patientinnen und Patienten auf der Warteliste, obwohl in diesem Jahr bereits fast 140 Transplantationen durchgeführt wurden.

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Die geplante Reform sieht vor, das bisherige Zustimmungsmodell durch eine Widerspruchslösung zu ersetzen. Künftig würde bei allen Erwachsenen eine Spendebereitschaft unterstellt, sofern sie zu Lebzeiten keinen offiziellen Widerspruch hinterlegt haben. Die Regierung erhofft sich dadurch, die Lücke zwischen verfügbaren Organen und dringend benötigten Transplantationen zu verringern.

Ziel der Reform ist es, die Spendenquote bis 2030 deutlich zu erhöhen. Sollte das neue System beschlossen werden, wäre dies ein historischer Wandel in der deutschen Transplantationsmedizin. Doch bis dahin harren Tausende Patientinnen und Patienten weiter aus – während Kliniken mit knappen Ressourcen kämpfen.

Quelle