30 March 2026, 00:17

Wie eine Familie aus der DDR fliehen wollte – und im SED-Gefängnis landete

Plakat für die deutsche Revolution 1910, das eine Gruppe von Menschen und eine Krone mit Text zeigt.

Wie eine Familie aus der DDR fliehen wollte – und im SED-Gefängnis landete

Ein neues Memoir wirft Licht auf das Leid der Ostdeutschen unter dem SED-Regime

In seinem Buch "Wir wollten raus" schildert Peter Niebergall die verzweifelten Versuche seiner Familie, in den 1980er-Jahren aus der DDR in die Bundesrepublik zu fliehen. Seine Erzählung offenbart nicht nur das harte Justizsystem der damaligen Zeit, sondern auch dessen Nachwirkungen im heutigen Deutschland.

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Niebergalls Geschichte beginnt lange vor seiner Verhaftung. 1968 erlebte er als Augenzeuge die sowjetische Invasion in der Tschechoslowakei während des Prager Frühlings – ein Ereignis, das seine Haltung gegenüber staatlicher Unterdrückung prägte.

Jahre später, 1983, beantragten Niebergall und seine Frau Heidi die Ausreise aus der DDR. Ihr Gesuch führte am 6. August zu ihrer Festnahme, gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern. Angeklagt wurden sie wegen "staatsfeindlicher Hetze" – der Vorwurf lautete, sie hätten durch ihren Ausreiseantrag die "staatliche Tätigkeit untergraben". Verantwortlich für die Anklage war Ekkehard Kaul, ein Funktionär des SED-Staates.

Am 27. Oktober 1983 verurteilte das Bezirksgericht Berlin-Pankow Niebergall zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Der Fall stand exemplarisch für die gnadenlose Verfolgung von Regimegegnern in der DDR.

Erst Jahre nach dem Mauerfall erhielt Niebergall Gerechtigkeit: 1998 verurteilte das Landgericht Berlin Kaul zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten – wegen Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung.

In "Wir wollten raus" verarbeitet Niebergall diese Erlebnisse. Sein Buch ist nicht nur eine Abrechnung mit dem SED-Regime, sondern zieht auch Parallelen zu aktuellen politischen Kontroversen – etwa um die Politikerin Nancy Faeser.

Niebergalls Memoiren bieten einen detaillierten Einblick in das Leben unter der Diktatur. Seine Haft und spätere Reflexionen zeigen, wie tief die Spuren staatlicher Repression bis heute reichen. Gleichzeitig regt das Buch zum Vergleich zwischen historischen Unrechten und heutigen politischen Debatten an.

Quelle