31 May 2026, 20:16

Wirtschaftselite zerrissen: Soll man mit der AfD reden oder sie weiter ausgrenzen?

Wirtschaft streitet über die Behandlung der AfD

Wirtschaftselite zerrissen: Soll man mit der AfD reden oder sie weiter ausgrenzen?

In der deutschen Wirtschaftswelt entbrennt eine hitzige Debatte darüber, wie mit der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) umgegangen werden soll. Führende Vertreter aus Industrie und Handel sind uneins, ob sie an der strikten Abgrenzungspolitik – also der Weigerung, mit der Partei zusammenzuarbeiten – festhalten oder trotz deren umstrittenen Positionen den Dialog suchen sollen. Die Kontroverse zeigt, wie sehr die wachsende politische und wirtschaftliche Einflussnahme der AfD die Gemüter spaltet.

Die Auseinandersetzung trat offen zutage, nachdem mehrere prominente Wirtschaftsführer die Ausgrenzung der AfD kritisiert hatten. Caspar Brockhaus, Chef der Brockhaus Group, bezeichnete die Abgrenzungspolitik als lähmend für die Politik und schädlich für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Sollte die aktuelle Koalition es nicht schaffen, die schwächelnde deutsche Wirtschaft zu beleben, plädierte er für die Bildung neuer demokratischer Bündnisse.

Die Unternehmerin Sarna Rößer unterstützte diese Haltung und nannte die Ausgrenzung ein „Arroganzsignal der etablierten Parteien“. Die Politik habe der AfD nur in die Hände gespielt, indem sie Wähler in deren Richtung gedrängt habe. Auch Wolfgang Grupp, Geschäftsführer des Bekleidungsherstellers Trigema, lehnte die Abgrenzungspolitik ab – obwohl er persönlich für Migration einsteht. In einer Demokratie ergebe ein solcher Ausschluss wenig Sinn, so Grupp.

Auf der anderen Seite bleibt der Widerstand gegen jede Annäherung ungebrochen. Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), lehnte Gespräche mit extremistischen Parteien – ob von rechts oder links – kategorisch ab. Dirk Jandura, Präsident des Bundesgroßhandel-, Außenhandel-, Dienstleistungs-Verbands (BGA), betonte, die AfD müsse sich zunächst klar von Extremismus distanzieren, bevor über Gespräche nachgedacht werden könne. Franz-Olaf Kallerhoff, Präsident des Markenverbands, warnte davor, dass eine Stärkung der AfD die soziale Marktwirtschaft gefährden würde.

Der Riss in der Wirtschaftselite spiegelt tiefere Sorgen über die politische und wirtschaftliche Zukunft Deutschlands wider. Während die einen für eine vorsichtige Öffnung gegenüber der AfD plädieren, bestehen die anderen auf einer klaren roten Linie. Wie diese Debatte ausgeht, könnte künftige politische Weichenstellungen und den Umgang mit extremistischen Kräften im Land prägen.

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