Neue Rezeptregeln entlasten Pflegeheime – doch Ärzte zahlen den Preis
Leni RichterNeue Rezeptregeln entlasten Pflegeheime – doch Ärzte zahlen den Preis
Ein neuer Gesetzentwurf in Deutschland wird die Handhabung von Rezepten für Bewohner von Pflegeheimen grundlegend ändern. Nach dem Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sollen Ärzte künftig Rezepte direkt an die beliefernde Apotheke übermitteln, statt sie wie bisher über das Pflegeheim weiterzuleiten. Die Maßnahme zielt darauf ab, den bürokratischen Aufwand zu verringern – belastet jedoch im Gegenzug die Arztpraxen mit zusätzlichem Arbeitsaufwand.
Bisher müssen Pflegeheime Rezepte manuell sammeln und an Apotheken weiterleiten. Die geplante Neuregelung schafft diesen Schritt ab und spart den Einrichtungen schätzungsweise 5 Millionen Euro pro Jahr. Gleichzeitig bedeutet die Umstellung für Ärzte, dass sie Versorgungsverträge prüfen und E-Rezepte elektronisch übermitteln müssen – pro Rezept kommen so etwa 30 Sekunden extra Arbeit hinzu.
Technische Vorkehrungen stellen sicher, dass Pflegeheime weiterhin über jedes ausgestellte Rezept informiert werden, sofern der Bewohner nicht widerspricht. Voraussetzung für das neue Verfahren ist die sichere Telematikinfrastruktur (TI), die bisher jedoch nur 22 Prozent der deutschen Apotheken (rund 5.500) für solche Kommunikationen nutzen.
Die Bundesregierung rechnet durch die Neuregelung mit zusätzlichen Personalkosten von 9,7 Millionen Euro für Arztpraxen. Nach Abzug der Einsparungen in Pflegeheimen ergibt sich ein Nettoeffekt von 4,7 Millionen Euro. Die Anpassung ist vorübergehend, da Pflegeheime ab dem 1. Januar 2029 direkt an den Fachdienst angebunden werden sollen.
Während die Reform den Verwaltungsaufwand in Pflegeheimen verringert, steigt er für Ärzte. Da bisher nur ein Bruchteil der Apotheken das erforderliche KIM-System nutzt, könnte die Umstellung in der Praxis auf Hürden stoßen. Die finanziellen Auswirkungen – Einsparungen für Pflegeeinrichtungen, aber höhere Kosten für Praxen – treten in Kraft, sobald das Gesetz in Kraft getreten ist.






