18 March 2026, 04:14

Pharmabranche und Versicherer streiten über Europas Arzneimittelabhängigkeit von China

Plakat zeigt, dass Amerikaner zwei bis drei Mal mehr für Medikamente gezahlt haben als andere Länder, mit Flaschen und einer Spritze.

Pharmabranche und Versicherer streiten über Europas Arzneimittelabhängigkeit von China

Auf der Jahreskonferenz des Handelsblatts entbrannte eine hitzige Debatte, als Führungskräfte aus der Pharmabranche und Versicherer über die Verwundbarkeiten der europäischen Arzneimittelversorgung aneinandergerieten. Branchenvertreter warnten, dass Deutschlands Abhängigkeit von China – das zwei Drittel der Wirkstoffe liefert – erhebliche Risiken berge. Die Versicherer hingegen wiesen Bedenken wegen der Abhängigkeit von ausländischer Produktion als übertrieben zurück.

Tim Steimle, Pharmachef der Techniker Krankenkasse (TK), bestätigte, dass die Regierung ihr Ziel eines sechsmonatigen Arzneimittelvorrats erreicht habe. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass Rabattverträge zunehmend in umfassendere Versorgungsvereinbarungen überführt worden seien – allerdings ohne dass Kinderarzneimittel davon profitierten. Zudem sprach er sich für das geplante Freihandelsabkommen mit Indien aus, um die Versorgungssicherheit zu stärken.

Kerem Inanc, Geschäftsführer von Alliance Healthcare Deutschland (AHD), lehnte den sechsmonatigen Vorrat als unzureichend ab. Er forderte konkrete Krisenszenarien zur Vorbereitung und betonte, dass Europas Logistik alles andere als widerstandsfähig sei. Inanc bestand darauf, dass nur eine gestiegene lokale Produktion die Abhängigkeit von Seewegen verringern könne.

Thomas Weigold, Deutschlandchef von Sandoz/Hexal, kritisierte, dass man sich allein auf Dialog verlässt, um Schwächen in der Lieferkette zu beheben. Er forderte deutlich mehr Eigenständigkeit, insbesondere bei Antibiotika und Generika. Das vorgeschlagene Handelsabkommen mit Indien nannte er "absurde" – zwar wirtschaftlich nachvollziehbar, doch es schwäche die Resilienz in der Generika-Produktion.

Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI), betonte, dass die Bevorratung von Generika praktisch wenig sinnvoll sei. Er stellte die Gesundheitspolitik als untrennbar von Industrie- und Sicherheitspolitik dar und warnte, dass Europas Verwundbarkeiten gefährlich unterschätzt würden. Joachimsen mahnte, Deutschland müsse als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt über kurzfristige Reserven hinaus Autonomie sichern.

Branchenverbände wie der BPI drängen über den EU-Critical Medicines Act auf Maßnahmen, darunter wettbewerbsfähige Produktionsbedingungen und widerstandsfähige Lieferketten. Doch trotz Regierungsinitiativen wie dem Pharma- und Medizintechnikdialog fehlen bisher konkrete Schritte, um die Abhängigkeit von China zu verringern.

Die Versicherer hingegen wiesen die Warnungen der Industrie als alarmistisch zurück und vertieften so den Graben bei der Frage, wie Lieferkettenrisiken anzugehen sind.

Der Streit offenbart eine klare Spaltung zwischen den Forderungen der Industrie nach Investitionen und der Skepsis der Versicherer. Zwar hat die Regierung die Risiken in den Arzneimittellieferketten anerkannt, doch konkrete Maßnahmen zur Stärkung der europäischen Produktion bleiben aus. Die Debatte zeigt das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Pragmatik und dem Streben nach langfristiger Sicherheit in der Arzneimittelversorgung.

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