"Thirst Traps": Wie Influencer mit sexualisierten Posen Reichweite und Geld machen
Leni RichterVerführerische TikTok-Clips: Was steckt hinter 'Thirst Traps' - "Thirst Traps": Wie Influencer mit sexualisierten Posen Reichweite und Geld machen
Kurze Videos und Fotos mit sexualisierten Posen, die Aufmerksamkeit erregen sollen, fluten die sozialen Medien. Bekannt als "Thirst Traps" (auf Deutsch etwa "Aufmerksamkeitsfallen"), dienen diese Posts Influencern als Marketinginstrument, um ihre Follower-Zahlen – und damit ihre Einnahmen – zu steigern. Doch mit ihrer wachsenden Beliebtheit mehren sich die Bedenken: Wer sieht sie eigentlich? Und welche Botschaften vermitteln sie?
Der Begriff "Thirst Trap" setzt sich aus "thirst" (Begierde) und "trap" (Falle) zusammen und beschreibt Inhalte, die gezielt Betrachter reizen, um Interaktion zu provozieren. Nutzer:innen tappen oft in die Falle, indem sie liken, kommentieren oder teilen – wie die Sozialpädagogin Tessa-Marie Menzel erklärt. Der Medienpädagoge Rudolf Kammerl ergänzt, dass die Strategie am besten funktioniert, wenn sexuelle Spannung angedeutet, aber nie vollständig erfüllt wird.
Für manche Influencer sind Thirst Traps zum Karriere-Sprungbrett geworden. Die "Elevator Boys", eine Gruppe von fünf jungen Männern aus dem deutschsprachigen Raum, begannen mit TikTok-Inhalten, bevor sie in die Musik- und Fernsehbranche expandierten. 2023 unterschrieben sie bei Warner Music Germany, veröffentlichten Singles wie "BANDMA'AM" und gingen auf Tour. 2024 waren sie bei "The Voice Kids" auf RTL zu sehen – ein Beweis dafür, wie weit eine kalkulierte Social-Media-Präsenz tragen kann.
Doch der Trend birgt Risiken. Die deutsche YouTuberin Annikazion gewann innerhalb einer Woche etwa 30.000 Follower, nachdem sie Thirst-Trap-Videos gepostet hatte. Zwar kann ein solcher Zuwachs bestärkend wirken – besonders für Menschen, die nicht den klassischen Schönheitsidealen entsprechen –, doch gleichzeitig werden enge Normen reproduziert: Frauen stehen unter Druck, schlank zu sein, Männer müssen überdurchschnittlich durchtrainiert erscheinen.
Besonders problematisch ist die Zielgruppe der jüngeren Nutzer:innen. Thirst Traps tauchen auf Plattformen wie TikTok und Instagram auf, wo Kinder und Jugendliche regelmäßig unterwegs sind. Der Medienpädagoge Rainer Kammerl betont, dass sowohl die sozialen Netzwerke als auch Eltern in der Verantwortung stehen. Ohne Kontrolle, warnt er, könnten junge Nutzer:innen mit Inhalten konfrontiert werden, für die sie noch nicht bereit sind.
Thirst Traps sind zu einem mächtigen Werkzeug für Influencer geworden, die nach Ruhm und finanziellen Erfolgen streben. Doch ihre weitreichende Verbreitung und ihr Einfluss auf Schönheitsideale – sowie auf junge Zuschauer:innen – sorgen für anhaltende Debatten. Während sich die Plattformen weiterentwickeln, wird auch die Diskussion darüber, wer solche Inhalte sehen sollte und wie sie unsere Wahrnehmung prägen, nicht abreißen.






