Warum Ärzte die digitale Patientenakte noch immer meiden – trotz Fortschritten
Matteo KrauseWarum Ärzte die digitale Patientenakte noch immer meiden – trotz Fortschritten
Private Krankenversicherer drängen auf schnellere Digitalisierung im Gesundheitswesen
Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) fordert eine beschleunigte digitale Transformation im Gesundheitsbereich. Zuverlässige Technologien und nutzerfreundliche Plattformen seien entscheidend, um die medizinische Versorgung zu verbessern, so der Verband. Doch viele Ärztinnen und Ärzte stehen Tools wie der elektronischen Patientenakte (ePA) weiterhin skeptisch gegenüber – vor allem wegen anhaltender Bedenken beim Datenschutz und der Benutzerfreundlichkeit.
Seit der Einführung der ePA im Jahr 2021 verläuft die Nutzung zögerlich. Bis 2025 setzen nur 20 bis 30 Prozent der Ärzteschaft das System aktiv ein, obwohl es technische Fortschritte gab. Zwar haben sich die Ausfallzeiten verringert, doch die Einbindung in bestehende Arbeitsabläufe bleibt problematisch. Die Bundesregierung strebt an, dass bis Anfang 2026 rund 40 Millionen Versicherte auf die ePA zugreifen – vor allem für Medikationspläne und Impfausweise. Doch eine flächendeckende Nutzung bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Die PKV betont die Notwendigkeit stabiler, interoperabler digitaler Plattformen, die für alle Patientinnen und Patienten einfach zu bedienen sind. Als Lösungsansätze schlägt der Verband digitale Erstanamnesen und automatisierte Dokumentation vor, um den Verwaltungsaufwand in Praxen zu verringern. Gleichzeitig warnt er, dass ländliche Regionen vor besonderen Herausforderungen stehen – etwa durch schlechte Breitbandanbindung und eingeschränkte Mobilität, was den Fortschritt bremst.
Über die Technik hinaus weist die PKV auf Finanzierungslücken in der ambulanten Versorgung hin. Private Versicherer spielten hier eine zentrale Rolle, um diese Leistungen aufrechtzuerhalten, heißt es. Mehr Wettbewerb und offene Märkte könnten zudem schneller zu besseren Lösungen führen.
Der Druck für digitale Gesundheitsanwendungen hält an, doch die Hürden bleiben. Die geringe Akzeptanz der ePA unter Ärzten spiegelt die grundsätzlichen Bedenken bei Privatsphäre und praktischem Nutzen wider. Gleichzeitig müssen Versicherer und Politiker technische Stabilität, Finanzierung und regionale Unterschiede angehen, um den künftigen Anforderungen im Gesundheitswesen gerecht zu werden.
ePA erweitert Werkzeuge, um Adoptionshindernisse anzugehen
Das ePA-System hat bis Mitte 2026 neue Funktionen erhalten, um seinen praktischen Wert zu erhöhen. Darunter:
- Ärzte können nun rezeptfreie Medikamente in Patientenakten hinzufügen.
- Elektronische Medikationspläne bieten Patienten klarere Therapieübersichten. Diese Updates passen zum Regierungsziel von 40 Millionen Nutzern bis 2026 und sollen Bedenken von Ärzten bezüglich der Brauchbarkeit des Systems ausräumen.






