Wie 700 E-Autos das deutsche Stromnetz stabilisieren können
Ein wegweisendes Pilotprojekt in Deutschland hat gezeigt, wie private Elektrofahrzeuge (E-Autos) zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen können. Der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW und der Energiedienstleister Octopus Energy haben erfolgreich über 700 batteriebetriebene Fahrzeuge in den Redispatch-Prozess eingebunden und damit die flexible Steuerung von Energie in der Praxis demonstriert. Die Initiative mit dem Namen OctoFlexBW stellt einen wichtigen Schritt dar, um dezentrale Ressourcen für die Netzstabilität nutzbar zu machen – besonders vor dem Hintergrund der zunehmenden Elektrifizierung.
Im Rahmen des Projekts wurde die DA/RE-Plattform von TransnetBW mit dem KrakenFlex-System von Octopus Energy verknüpft, um die Ladevorgänge der E-Autos zu steuern. Durch die gezielte Regelung von Ladezeiten und -leistungen erreichte die Flotte von rund 700 Fahrzeugen eine tägliche Flexibilitätskapazität von etwa zwei Megawattstunden. Nutzer konnten dabei ihren gewünschten Ladezustand zu einem bestimmten Zeitpunkt vorgeben, während der Aggregator die Ladevorgänge an Strompreise und Netzanforderungen anpasste.
Eines der angekündigten Teilprojekte läuft in Zusammenarbeit mit Volkswagen Nutzfahrzeuge und enercity. Ab dem 19. März 2026 werden 75 ID. Buzz-Fahrzeuge aus Unternehmensflotten bidirektionales Laden testen, um zusätzliche Netflexibilität bereitzustellen. Ein weiteres Vorhaben namens DataFleX ist ebenfalls geplant, wurde jedoch noch nicht gestartet.
Die Projektpartner betonten, dass eine Skalierung dieses Ansatzes erhebliche Vorteile bringen könnte: Bei einer Million Elektrofahrzeugen stünde Deutschland täglich eine Flexibilität von mehreren Gigawattstunden zur Verfügung – genug, um einen großen Teil des aktuellen Redispatch-Bedarfs abzudecken. Zudem zeigte das Projekt, dass die Bereitstellung von Flexibilität nahtlos in bestehende Redispatch-Prozesse integriert werden kann.
Für die Zukunft bereitet das Team DataFleX vor, um die Zahl der beteiligten Fahrzeuge und Technologien zu erweitern. Gleichzeitig forderten die Verantwortlichen eine Anpassung der Redispatch-Regularien, um das Potenzial dezentraler Flexibilität besser ausschöpfen zu können.
Das Pilotprojekt OctoFlexBW hat bewiesen, dass private E-Autos eine direkte Rolle bei der Netzstabilisierung spielen können. Durch die Verknüpfung von Lademanagement und Redispatch-Maßnahmen bietet es eine praxistaugliche Lösung für die Bewältigung steigender Energieanforderungen. Mit einer Weiterentwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen und einer breiteren Beteiligung könnte die Netzstabilität in Zukunft deutlich gestärkt werden.






