AfD dringt gezielt in Gewerkschaften Baden-Württembergs vor – mit gemischtem Erfolg

Leni Richter
Leni Richter
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Ein Plakat mit fetter schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund zeigt "Kinderaert ist eine nationale Geißel - Sollen wir die Industrie das Land fesseln lassen", mit einer vielseitigen Gruppe von Menschen, die gemeinsam stehen.Leni Richter

AfD dringt gezielt in Gewerkschaften Baden-Württembergs vor – mit gemischtem Erfolg

Die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD) dringt gezielt in Gewerkschaften und Betriebsräte in Baden-Württemberg vor. Während die Partei einst als regionales Phänomen in Ostdeutschland galt, kommt sie im Südwesten mittlerweile auf Umfragewerte von 20 Prozent. Ihre Strategie umfasst kampagnenartige Arbeiteransprache, die Organisation von Veranstaltungen sowie die Aufstellung eigener Kandidaten in Schlüsselsektoren der Industrie.

Gleichzeitig sehen sich Aktivisten wie der im Iran geborene Danial Bamdadi bei ihrer Einbürgerung mit Hürden konfrontiert, weil ihr antifaschistisches Engagement von Nachrichtendiensten als auffällig eingestuft wird.

Seit 2022 geht die AfD in Baden-Württemberg aktiv auf Einflussnahme in Gewerkschaften und Betriebsräte. Die Partei veranstaltete Seminare für Metallarbeiter, veröffentlichte arbeiterzentrierte Manifesten und stellte eigene Kandidaten für Wahlen auf. Zwar errang sie 2024 fünf Sitze in einem Bosch-Werk, doch bleiben ihre Wahlergebnisse in jüngsten Betriebsratswahlen meist unter zehn Prozent. Der Widerstand etablierter Gewerkschaften wie der IG Metall begrenzt ihren Erfolg.

Spitzenkandidat Markus Frohnmaier warnt vor einem "Detroit 2.0"-Szenario, um Ängste vor Arbeitsplatzverlusten zu schüren – konkrete Konzepte zum Erhalt von Jobs legt die AfD jedoch nicht vor. Analysten stellen fest, dass viele AfD-Wähler in diesen Branchen eher Protestwähler als überzeugte Rechtsextreme sind. Die Versuche der Partei, sich von extremistischen Gruppen wie dem neonazistischen "Zentrum"-Netzwerk zu distanzieren, fallen uneinheitlich aus; interne Flügel kämpfen um die strategische Ausrichtung.

Die Unterwanderung von Betrieben durch Rechtsextreme beginnt oft schleichend: Aktivisten untergraben bestehende Gewerkschaftsstrukturen, bevor sie eigene Agenden vorantreiben. Während Arbeitsplatzunsicherheit rechtspopulistische Strömungen stärken kann, löst sie mitunter auch Widerstand gegen sowohl Unternehmensführungen als auch extremistische Einflüsse aus. Gewerkschaften werden aufgefordert, den Druck nach oben – auf die Arbeitgeber – zu lenken und gleichzeitig klare Alternativen zu den leeren Versprechungen der AfD aufzuzeigen.

Bisher konnte die rechtsextreme Gruppe "Zentrum" bundesweit nur 19 Betriebsratssitze erobern – ein Zeichen für begrenzte Resonanz. Doch die beharrliche Annäherung der AfD in Kombination mit wirtschaftlicher Unsicherheit hält die Gefahr weiterer Infiltration aufrecht.

Der Vorstoß der AfD in Gewerkschaften ist Teil einer übergeordneten Strategie, sich in industriellen Betrieben zu verankern. Zwar fallen ihre Wahlgewinne noch bescheiden aus, doch die steigenden Umfragewerte in Baden-Württemberg deuten auf eine Ausweitung über ihre ostdeutschen Hochburgen hinaus. Für Aktivisten wie Bamdadi verschärft sich unterdessen das politische Klima: Ihr antifaschistisches Engagement zieht vermehrt die Aufmerksamkeit von Staatsbehörden auf sich.

Gewerkschaften stehen nun vor der Doppelaufgabe, rechtspopulistischen Narrativen entgegenzutreten und gleichzeitig die sozialen Sorgen zu adressieren, die deren Zulauf erst befeuern.

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